Zeuginnen des Glaubens “ Dorothee Sölle

Dorothee Sölle – eine Apostelin

© kathbild.at / Franz Josef Rupprecht
Teil fünf „Zeuginnen des Glaubens“ (Apostelin-Leuchter)

Mir scheint, die oft gestellte Frage: Glaubst du an Gott? meistens oberflächlich.

Wenn es nur bedeutet, dass in deinem Kopf ein Extrafach ist, wo Gott sitzt, dann ist Gott keineswegs ein Ereignis, das dein ganzes Leben verändert…Wir müssen eigentlich fragen: Lebst du Gott? Das entspräche der Realität der Erfahrung. (D.Sölle, Den Rhythmus des Lebens spüren, Freiburg i.B.2001, S.183)

Mit solchen Sätzen hat Dorothee Sölle sich nicht nur Freund*innen gemacht. Besonders in den Leitungsetagen der evangelischen Kirche eckte sie an.

Dennoch haben viele evangelische Frauenarbeiten gerade in den Jahren des Reformationsgedenkens (2007-2017) Dorothee Sölle zur „Reformatorin“ erklärt. Nun wird sie in der Heilig – Geist – Kirche in den Reigen der Apostelinnen unter dem 13. Apostelleuchter aufgenommen werden.

Das passt zu ihr, der in der weltweiten Ökumene engagierten Theologin.

Fulbert Steffensky, ihr 2. Ehemann sagt über sie: „ Sie konnte weder von den Frommen, noch von den Politischen, weder von den Konservativen noch von den Aufklärern ganz eingefangen werden. Sie erlaubte sich, die jeweils andere zu sein – den Frommen die Politische, den Politischen die Fromme, den Bischöfen die Kirchenstörerin und den Entkirchlichten die Kirchenliebende.“
(Fulbert Steffensky, in: D. Sölle, Wo Liebe ist, da ist Gott. Freiburg i.Br.,2004, S.102)

Dorothee Sölle wurde am 30. September 1929 in Köln geboren und starb am 27. April 2003. Theologie war nicht ihre erste Studienwahl. Nach dem Abitur begann sie zunächst ihre Studien in Literatur, Sprache, Philosophie. Erst dann entdeckt sie die Theologie als einen Weg der Wahrheitsfindung, der Tiefenbohrung. Beides hat sie miteinander verbunden: dichte lyrische Texte und theologische Tiefenbohrung. Der Weg der Glaubenspraxis war ihr immer wichtiger als die Theorie. Darum fühlte sie eine große Nähe zum Judentum und war Martin Buber freundschaftlich verbunden.

Die Suche nach Gerechtigkeit – das war für Dorothee Sölle das zentrale Thema des Glaubens. Gerechtigkeit – das war für sie der Name des biblischen Gottes. Sie hat in diese Suche nach Gerechtigkeit immer mehr auch die Erde, die Bäume, die Tiere einbezogen, nach der Heilung all unserer Beziehungen durch den Glauben gesucht. Und dieser Gotteshunger, diese Leidenschaft war ihr immer anzuspüren, in ihren Texten, bei ihren öffentlichen Auftritten, sichtbar und hörbar in ihrem Zorn, in ihrem Mitleiden, in ihrer Sehnsucht und Liebe.

du hast mich geträumt gott/ wie ich den aufrechten gang übe / und niederknien lerne/ schöner als ich jetzt bin/ glücklicher als ich mich traue/ freier als bei uns erlaubt/hör nicht auf mich zu träumen gott/ ich will nicht aufhören mich zu erinnern/ dass ich dein baum bin/ gepflanzt an den wasserbächen des lebens
(Dorothee Sölle , aus: Renate Wind, Gütersloh 2013, S.21)

Ihre Biographin Renate Wind schreibt: „ So wollte sie geträumt werden – freier, glücklicher, schöner, eintretend für die Hungernden und Asylsuchenden, frei und gebunden zugleich an ihn, den schlecht versteckten Gott der Elenden. (…) Von ihm wollte sie in die Erde, die sie liebte, eingepflanzt werden „Wie ein Baum an Wasserbächen“. Am Ende, als hätte sie sich diesen Tag ausgesucht, wird die Losung am Tag ihres Todes lauten: „ Der gerechte Mensch ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht.“ (Ps 1,3) (Renate Wind, Grenzenlos glücklich – absolut furchtlos – immer in Schwierigkeiten, Gütersloh 2013, S.22)

Für alle, die mehr über Dorothee Sölle erfahren und sich näher mit ihren Gedanken befassen wollen: Am 24. September 2022 wird es einen „kleinen“ Studientag in den Gemeinderäumen von St. Josef geben.

Nähere Informationen dazu folgen zeitnah. Referentin an diesem Tag:

Diakonin Susanne-Decker-Michalek, Referentin Evangelische Frauen* der Ev. Luth. Landeskirche Hannovers /Sprengel Stade

3. bundesweiter kfd-Predigerinnentag

3. bundesweiter kfd-Predigerinnentag:
12 Stimmen für Gleichberechtigung

Rund um den 17. Mai,
dem Tag der Apostelin Junia
,
heißt es 2022 zum dritten Mal:
12 Frauen. 12 Orte. 12 Predigten
.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) – Bundesverband e.V. organisiert den bundesweiten Predigerinnentag.
Ob in Hamburg oder Kolbermoor bei München, ob in Mönchengladbach oder Halle – in ganz Deutschland verteilt – machen die überwiegend als geistliche Leiterinnen tätigen Frauen das, was sie laut Kirchenrecht nicht tun dürfen: Sie halten eine Predigt in der heiligen Messe.
Wir haben uns sehr gefreut, dass sofort viele Frauen bereit waren, zu predigen und damit ihrer Berufung folgen“, meint Ulrike Göken-Huismann, Geistliche Leiterin der kfd und Mitglied im kfd-Bundesvorstand. Sie selbst hält eine Predigt in St. Maria Magdalena in Geldern. „Die Frauen setzen mit ihrem Einsatz ein Zeichen für die Forderung nach einer katholischen Kirche, in der Gleichberechtigung kein Fremdwort ist“, betont Göken-Huismann. 

Dabei sind es in diesem Jahr streng genommen 13 Frauen, die am Ambo stehen.

In Schermbeck predigt bereits am 8. Mai ein Duo,bestehend aus einer hauptamtlichen und einer ehrenamtlichen kfd-Frau.

Zusammen mit den anderen Predigerinnen werden sie an die Apostelin Junia erinnern und Kirche einmal mehr lebendig gestalten.

Weitere Informationen unter: www.kfd.de/predigerinnentag/

Frauen und Männer werden von Gott berufen, Zeugnis für seine Botschaft zu geben. Dazu gehört dann auch, dass Frauen das Evangelium verkünden und auslegen können“, sagt Monika Schramek, Geistliche Leiterin aus dem Diözesanverband Freiburg.

Hintergrund:
Die Apostelin Junia wurde erst 2016 in die neue Einheitsübersetzung der Bibel aufgenommen. Jahrhundertelang ging man aufgrund eines Übersetzungsfehlers davon aus, es handele sich um den Mann „Junias“. Die kfd macht mit dem 3. bundesweiten kfd-Predigerinnentag erneut auf Junia aufmerksam Zugleich gehört die Veranstaltung zu der Forderung der kfd nach einer vollen Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche und dem Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche.

Ulrike Göken-Huismann, die Geistliche Leiterin des kfd-Bundesverbandes predigt im Rahmen des kfd-Predigerinnentages.

Foto: Anne Orthen

Weitere Information: Barbara Stöckmann Pressereferentin, kfd-Bundesverband

Telefon: 0211 44992-25
Email: barbara.stoeckmann@kfd.de

„Zeuginnen des Glaubens“ Lydia von Philippi

Lydia von Philippi, Purpurhändlerin, erste Christin in Europa

Bildrechte: Joachim Schäfer - https://www.heiligenlexikon.de „Ökumenisches Heiligenlexikon“

Denkt man an das frühe Christentum in Europa, kommen einem vielleicht als Erstes Rom und Petrus in den Sinn.

Doch der erste Mensch, der sich auf europäischem Boden taufen ließ, war eine Frau namens Lydia, die im 1. Jahrhundert in der antiken makedonischen Stadt Philippi lebte. (Apg 16,11-15,40). In der Apostelgeschichte wird Lydia als Purpurhändlerin bezeichnet.

Sie wurde in der Stadt Thyatira in Lydien (heutige Türkei) geboren. In der Antike war es üblich Sklav*innen nach ihrer Herkunft oder dem Ort ihres Verkaufs zu benennen. Der Name Lydia ist ein Hinweis darauf, dass sie für eine gewisse Zeit in ihrem Leben Sklavin gewesen sein muss. In Philippi lebte sie als Zugezogene und handelte mit Purpur. Purpur war ein sehr teurer Farbstoff zum Färben von Stoffen. Die römische Prägung der Stadt Philippi war für die Purpurhändlerin Lydia von Vorteil, denn die Führungsschicht schätzte Purpurne Gewänder als Statussymbol.

Lydia glaubte nicht an die griechischen, makedonischen und römischen Götter, sondern sie fühlte sich denen aus dem monotheistischen Judentum nahe, die sich zu den Gottesfürchtigen zählten.

Als Paulus und Silas nach Philippi kamen, vermuteten sie die Gebetsstätte der Juden außerhalb der Stadt am Fluss. Dort trafen sie auf eine Gruppe von Frauen, zu der auch Lydia gehörte.
Nach dem Gespräch der Frauen mit Paulus und Silas ließ Lydia sich und alle Angehörigen ihres Haushalts und Betriebes von Paulus taufen.

Das war die erste Taufe in Europa über die im neuen Testament berichtet wird.

Lydia und ihre Familie bekannten sich zum christlichen Glauben. Die Beschreibung von Lydia als Hausherrin lässt den Schluss zu, dass sie als verwitwete oder alleinstehende, unabhängige Frau einem Haushalt vorstand. Lydia lud Paulus und Silas in ihr Haus ein und entwickelte im Verlauf der Zeit eine Hauskirche für die Gemeinde der philippischen Christ*innen. Ebenso unterstützte sie Paulus finanziell.
Möglicherweise gehörte Lydia zu den Bischöfen und Diakon*innen, die Paulus zu Beginn seines Briefes an die Philipper (Phil1,1) begrüßte.
Auch wenn Lydia später in der Apostelgeschichte nicht weiter erwähnt wird, so steht doch fest, dass sie die Türen in Europa für den Glauben an Jesus Christus geöffnet hat. Sie konnte den Worten von Paulus schnell Glauben schenken und unterstützte ihn bei seiner Missionstätigkeit.

Paulus schrieb, er habe Lydia ins Herz geschlossen (Phil1,7).

Wir heutigen Christ*innen haben Lydia von Philippi ganz viel zu verdanken.
In den Orthodoxen Kirchen wird Lydia sehr große Verehrung zuteil, sie wird als apostelgleich bezeichnet und auf zahlreichen Ikonen dargestellt.

Gedenktag: katholisch: 3. August,
evangelisch: 27. Januar (ELCA), 25. Oktober (LCMS)
orthodox: 7. Mai

Textquelle: Zeitschrift „Die Mitarbeiterin“ 3/2021
https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wibi/pdf/Lydia__2018-09-20_06_20.pdf

„Zeuginnen des Glaubens“ Katharina von Siena – Kirchenlehrerin und Schutzpatronin

Katherina von Siena

Hl. Katherina von Siena, Chiesa di Santa Maria del Rosario in Prati (Rom); Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org

Katharina von Siena gehört zu einer der herausragenden Frauen in der Kirche. Sie wurde 1347 in Siena geboren und starb 1380 schwer erkrankt mit 33 Jahren. Zu ihren Lebzeiten überzog eine sehr grausame Pest-Pandemie Europa. Katharina pflegte aufopferungsvoll an Pest Erkrankte und kümmerte sich hingebungsvoll um Arme. Die persönliche diakonische Arbeit war ihr außerordentlich wichtig. In vielen Visionen spürte die Mystikerin eine göttliche Verbindung zu Jesus Christus, der ihr den Auftrag erteilte, den Herrschenden ihrer Zeit zu widersprechen.

Voll in der Lebensrealität ihrer Zeit stehend fühlt Katharina sich beauftragt Gottes Liebe in die Welt zu tragen.

Der katholische Frauenbund Österreichs hat sich Katharina von Siena zu Seite gestellt und schreibt dazu:

Katharina lebte die Nachfolge Jesu, radikal und zeichenhaft; als sorgende Schwester für die Armen und Benachteiligten ihrer Umgebung, als sehr engagierte Frau, Predigerin und Seelsorgerin in der Kirche, als mutige Mahnerin und Reformerin für Kleriker und Politiker ihrer Zeit.

Als Frau in der Kirche und Gesellschaft, zu glauben, zu leben und zu handeln ist damals wie heute nicht immer einfach. Eine Frau „von gestern“ kann in diesem Sinne eine gute Ratgeberin, Trösterin, Prophetin und Weggefährtin für Frauen „von heute und morgen“ sein.

Das heißt in ihrem Sinn für heute radikal, unkonventionell, segensreich und damit heilig, ja heil-machend für Kirche und Gesellschaft zu wirken.

Werden auch wir im Sinne von Katharina von Siena zu Boten und Botinnen unserer katholischen Kirche.

Gedenktag: 29.April, Todestag von Katharina und Tag der Diakonin

Quellen: https://www.dioezese-linz.at/katharina, https://kfb.dsp.at/einrichtungen/kfb/katharina-von-siena