Zeuginnen des Glaubens – „Edith Stein“

Dezember 2022/ Januar 2023 Fortführung „Zeuginnen des Glaubens“ (Apostelin-Leuchter)

Patronin Europas – Eine Heilige ohne Grab
Edith Stein – Schwester Teresa Benedicta vom Kreuz

Edith Stein
public domain, wikimedia

Als jüngstes von elf Kindern wird Edith Stein am 12. Oktober 1891 in eine jüdisch-orthodoxe Breslauer Familie hineingeboren. Die sehr traditionelle religiöse Haltung in ihrem Elternhaus hinterfragt die Teenagerin kritisch und bezeichnet sich in diesem Lebensabschnitt selbst als Atheistin. Nach dem Abitur 1911 nimmt sie ein Lehramtsstudium in den Fächern Geschichte, Germanistik und Psychologie an den Universitäten Göttingen, Freiburg und Breslau auf. Schon in ihrer Studienzeit schreibt sie in ihren Texten, dass sie „der Menschheit dienen will“.

Der Wendepunkt in ihrem Leben ist die Lektüre der Autobiografie der Mystikerin Theresa von Ávila. Edith Stein lässt sich taufen. Nach ihrer Aufnahme in die römisch katholische Kirche nimmt sie eine Lehramtsstelle an den Schulen der Dominikanerinnen in Speyer an. 1932 wechselt sie zum Deutschen Institut für wissenschaftliche Pädagogik in Münster. Sie hält Vorträge zur Frauenfrage und zu Problemen bei der Bildung von Mädchen.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und deren Aufruf zum „Judenboykott“ im April 1933 wird in Deutschland Pogromstimmung erzeugt.
Edith Stein schreibt an den Papst Pius XI einen Brief mit der Bitte, er möge öffentlich gegen die Judenverfolgung protestieren.

Der Vatikan antwortet nicht auf ihr Schreiben. Außerdem wird sie gezwungen ihre Stelle am Institut aufzugeben. Sie erhält keine Kündigung. Wegen ihrer jüdischen Wurzeln wird sie mit Lehrverbot belegt. Sie zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück und wird Nonne im Karmel Maria vom Frieden in Köln. Aus Köln flieht sie vor den Nationalsozialisten in den niederländischen Karmel in Echt. Die niederländischen katholischen Bischöfe versuchen konvertierte Juden und Jüdinnen vor Deportierung zu bewahren, ohne Erfolg. Edith Stein wird in das Vernichtungslager Auschwitz abtransportiert.

Sie und 521 weitere Häftlinge werden grausam vergast und in großen Gruben verbrannt, die Asche verstreut.

Ihr ganzes Leben will Edith Stein verstehen, was der Mensch ist. Man kann den Menschen nicht verstehen ohne seine Beziehung zu anderen Menschen noch ohne seine Beziehung zu Gott. Die Themen Leben und Tod beschäftigen sie in der Zeit des immer brutaler werdenden Nationalsozialismus, dessen Opfer sie wird. Ihre jüdische Abstammung sieht sie als gottgewollt.
Der zunehmend grausamer werdende Nationalsozialismus prägt ihre Denkweise und große Spiritualität, die sie im tiefen Innersten besitzt. Ihr Lebenswerk ist eine Antwort auf das schreckliche Unheil ihrer Zeit. In ihren philosophischen Aufsätzen, ihren stundenlangem Beten, den Brief an den Papst bringt sie ihre Überzeugung zum Ausdruck, dass Gottes Liebe die Menschen trägt.

Der unerschütterliche Glaube von Edith Stein an den gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus und die Überzeugung von Gottes unendlicher Liebe zu uns Menschen sind Fundamente, die uns heutigen christliche Orientierung und Halt sein können.
Was ist die Wahrheit meines Lebens? Wen bete ich an? Und wie?

Seligsprechung 1987 in Köln, Heiligsprechung 1998 in Rom
Gedenktag 9. August – wahrscheinlich der Tag ihrer Ermordung im Jahr 1942.

Quelle: https://www.edith-stein.eu/ Dr. Nicole Stockhoff

kfd (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland)

Vom Warten und Hoffen - Impuls im Advent

6. Dezember 2022 um 20 Uhr
Gemeinderaum St. Josef Schiffertorsstraße Stade

Worauf warten wir?
Worauf hoffen wir?

Was erwartet uns an dem Abend:

– Beginn mit adventlicher Besinnung
– Anschließend Gedankenaustausch
– Versorgung von Seele und Leib

Die katholische Frauengemeinschaft lädt SIE ein.

Information: Regina Gehrke, Telefon: 04141 420 379

Zeuginnen des Glaubens – „Hildegard von Bingen“

November 2022 Fortführung „Zeuginnen des Glaubens“
(Apostelin-Leuchter)
Hildegard von Bingen - Prophetin und Tischgenossin Gottes

Heilige Hilldegard von Bingen
Quelle : Pinterest.com

Hildegard von Bingen (1098 – 1179) zählt zu den bedeutungsvollsten und großartigsten Frauen, die im Mittelalter lebten. Sie ist Visionärin, Mystikerin, Kirchenpolitikerin, Theologin, Predigerin Ärztin, Dichterin, Komponistin, Künstlerin, Naturwissenschaftlerin – alles in einer Person.

Ihr ganzes Leben folgte sie der Stimme Gottes.

Die Menschen sehen in ihr eine Prophetin und eine wahre Mutter und Helferin aller am Rande der Gesellschaft Stehenden.

Mutig kritisierte sie Missstände in Kirche und Politik.

Es war eine Zeit des Umbruchs in der sie lebte. Es wurden Kreuzzüge unternommen, die Kirche spaltete sich in Ost- und Westkirche, und war stark auf Macht ausgerichtet. Die Kirchenleute hielten sich selber nicht an die gepredigten Gebote, der Kaiser kämpfte an verschiedenen Fronten für die Erhaltung und Erweiterung des Reiches, das Volk begehrte auf gegen die Kirche. In einem Brief an Kaiser Barbarossa ermahnte sie, er möge mit Barmherzigkeit regieren.

Die Sorge um die Kirche veranlasste Hildegard von Bingen die Missstände offen anzusprechen. Hildegard von Bingen erhielt den Titel: Die Prophetin vom Rhein.

Hildegard von Bingen gründete zwei Benediktinerklöster, das Kloster Rupertsberg bei Bingen leitete als Äbtissin. Klostergründungen waren zu damaliger Zeit mit großen Schwierigkeiten verbunden. Hildegard setzte sich mit unerschütterlicher Entschlossenheit gegen die Gottvergessenheit ihrer Zeit ein. In ihrem Reden und ihrem Handeln wendete sie sich gegen eine veräußerlichte Kirche, die der eigentlichen Aufgabe nicht nachkam. Mit Hilfe eines Abtes schrieb Hildegard ihre göttlichen Visionen auf und dieser nutzte eine günstige Gelegenheit die visionären Schriften dem Vatikan vorzulegen, der Papst anerkannte diese als „Stimme Gottes“ .

Hildegard war überzeugt: „Mit jedem Kind, das geboren wird, kommt Gottes Liebe zur Welt.“ Alle Menschen sind Kinder Gottes.

Die ganzheitliche Sicht von Hildegard auf Gott, Welt und Mensch, in der Himmel und Erde, Glaube und Kosmos, Heils- und Heilkunde eine untrennbare Einheit bilden, haben damals wie heute volle Gültigkeit. Ihre Schriften über Gesundheit und Krankheit sind immer noch aktuell.

Hildegard verkündete die Frohe Botschaft und lebte mit unerschütterlicher Zivilcourage in der Nachfolge Jesus Christus.

Am 17. September 1179 verstarb die stets schwächliche Frau doch im hohen Alter von 81 Jahren.

Viele Parallelen der Zeit Hildegards können wir heute ziehen – auch wir leben in einer Zeit des Umbruchs, Missstände in der Kirche, Krieg und Unterdrückung in vielen Länder. Hildegards Einstellung „Ich kenne kein anderes Leben“ ruft uns im 21. Jahrhundert auf ihr Handeln mutig und im Vertrauen auf Gott zu folgen.

„Das Licht vom Lichte leuchte in dir.“
Der Wunsch von Hildegard gilt auch uns heute Lebenden.

Erst im 20. Jahrhundert wird Hildegard als Kirchenlehrerin anerkannt.

Gedenktag 17. September

Quelle: https://www.logo-buch.de/downloads/arbeitshilfen/logo-aktiv-hildegard-von-bingen.pdf

Zeuginnen des Glaubens – Madeleine Delbrêl

Madeleine Delbrêl – Biografie von einer überzeugten Atheistin, die zur Prophetin der Nachkonzilszeit wird.

Madeleine Delbrêl wird 1904 geboren und als Kind katholisch getauft. Als junge Studentin mit 16/17 Jahren bekennt sie sich als überzeugte Atheistin mit der Aussage: „Gott ist tot.“

Erst eine ganz tiefe Lebenskrise, ihr Verlobter verlässt sie, um ins Kloster zu gehen, führt sie zu einem intensiven Suchprozess. Dieser Bruch löst in der 20jährigen die Erfahrung aus, die sie als „überwältigende Bekehrung“ bezeichnet: die Begegnung mit dem lebendigen Gott.

In den Tagen der Krise entschließt sich Madeleine Delbrêl, angeregt durch die Mystikerin Teresa von Avila, zu beten. Das heißt sich diesem unbekannten Gott zuzuwenden. Das Experiment dieser neuen mystischen Erfahrung mündet bei ihr in der Gewissheit, Gott existiert.
Nach dieser mystischen Begegnung mit Gott denkt Madeleine zunächst darüber nach in den Kamel Orden einzutreten, entschließt sich dann aber für einen anderen Weg.

Sie beginnt ein Studium der Sozialwissenschaft und zieht mit wenigen Gefährtinnen nach Ivry, eine kommunistisch geprägte Arbeiterstadt in Frankreich. Dort lebt und arbeitet sie als christliche Sozialarbeiterin 30 Jahre bis zu Ihrem Tod im Oktober 1964.

Madeleine Delbrêl tritt für eine neue religiöse Sprache ein, weil die religiösen Vokabeln nicht mehr als Hilfe zur Lebensdeutung- und –Bewältigung erfahren werden. In der Schule Jesu lernen wir, so Madeleine Delbrêl, mit dem eigenen Herzen auf die Herzen der anderen und auf Ihr Hoffen zu lauschen. Wenn Jesus von Gott sprach, war das meist mit einer Geste der Zuwendung verbunden. Er hat die Menschen geheilt, sie aufgerichtet, ihnen Ansehen gegeben. Allein im Evangelium Jesu findet Madeleine Delbrêl die Form dafür, aus diesem „unerhörten Glück“ zu leben und es mit anderen zu teilen.

Solche Gebärden der Herzensgüte wurden für sie zur Lebensaufgabe – in aller Freiheit, ohne den Menschen in einer weitgehend entchristlichen Umwelt vereinnahmen oder verkirchlichen zu wollen. Die kommunistisch regierte Stadt Ivry wird ihr zur „Schule des angewandten Glaubens“.
Die Menschen fordern sie heraus sich immer wieder der Grundlagen ihres Glaubens zu besinnen.
Mit Ihrer überzeugenden Lebensform ohne klösterliche Regeln
„Gott im Hier und Jetzt einen Ort sichern“ wird sie zur Mitarbeit bei der Vorbereitung des 2. Vatikanischen Konzils gebeten.

Zeit ihres Lebens wehrt sie sich gegen überkommene Moralvorstellungen, weil die Menschen um sie herum sich inner- und außerhalb der Kirche davon nicht mehr angesprochen fühlen, weil es nichts mit ihrem Leben zu tun hat. Gemeinsam versuchen die Frauen der Gemeinschaft von Madeleine Delbrêl den Menschen nah zu sein und darin Gottes Liebe zu bezeugen.

Madeleine Delbrêls Spiritualität ist realistisch und alltagstauglich. „Beim besten Willen: Ich kann die Welt nicht retten! Einem anderen Menschen jedoch mit seine*r Lebensrealität Ansehen zu geben, kann für diese*n die Welt verändern.“ Weitere Zitate von M.D.: „Gott möchte nicht geliebt werden, wie wir wollen, sondern wie er will.“ „Strategie ist die eine Seite, die Wege Gottes die andere.“

Bei ihrer Beerdigung sagt der kommunistische Bürgermeister von Ivry: „Ich glaube auch jetzt nicht an Gott, aber wenn es ihn gibt, trägt er die Züge von Madeleine.“

Quelle: https://www.ojc.de/brennpunkt-seelsorge/2019/hingabe-freiwillig-willen/zeugnis-madeleinedelbrel-hingabe/

© Amis de Madeleine Delbrêl