Zeuginnen des Glaubens – Madeleine Delbrêl

Madeleine Delbrêl – Biografie von einer überzeugten Atheistin, die zur Prophetin der Nachkonzilszeit wird.

Madeleine Delbrêl wird 1904 geboren und als Kind katholisch getauft. Als junge Studentin mit 16/17 Jahren bekennt sie sich als überzeugte Atheistin mit der Aussage: „Gott ist tot.“

Erst eine ganz tiefe Lebenskrise, ihr Verlobter verlässt sie, um ins Kloster zu gehen, führt sie zu einem intensiven Suchprozess. Dieser Bruch löst in der 20jährigen die Erfahrung aus, die sie als „überwältigende Bekehrung“ bezeichnet: die Begegnung mit dem lebendigen Gott.

In den Tagen der Krise entschließt sich Madeleine Delbrêl, angeregt durch die Mystikerin Teresa von Avila, zu beten. Das heißt sich diesem unbekannten Gott zuzuwenden. Das Experiment dieser neuen mystischen Erfahrung mündet bei ihr in der Gewissheit, Gott existiert.
Nach dieser mystischen Begegnung mit Gott denkt Madeleine zunächst darüber nach in den Kamel Orden einzutreten, entschließt sich dann aber für einen anderen Weg.

Sie beginnt ein Studium der Sozialwissenschaft und zieht mit wenigen Gefährtinnen nach Ivry, eine kommunistisch geprägte Arbeiterstadt in Frankreich. Dort lebt und arbeitet sie als christliche Sozialarbeiterin 30 Jahre bis zu Ihrem Tod im Oktober 1964.

Madeleine Delbrêl tritt für eine neue religiöse Sprache ein, weil die religiösen Vokabeln nicht mehr als Hilfe zur Lebensdeutung- und –Bewältigung erfahren werden. In der Schule Jesu lernen wir, so Madeleine Delbrêl, mit dem eigenen Herzen auf die Herzen der anderen und auf Ihr Hoffen zu lauschen. Wenn Jesus von Gott sprach, war das meist mit einer Geste der Zuwendung verbunden. Er hat die Menschen geheilt, sie aufgerichtet, ihnen Ansehen gegeben. Allein im Evangelium Jesu findet Madeleine Delbrêl die Form dafür, aus diesem „unerhörten Glück“ zu leben und es mit anderen zu teilen.

Solche Gebärden der Herzensgüte wurden für sie zur Lebensaufgabe – in aller Freiheit, ohne den Menschen in einer weitgehend entchristlichen Umwelt vereinnahmen oder verkirchlichen zu wollen. Die kommunistisch regierte Stadt Ivry wird ihr zur „Schule des angewandten Glaubens“.
Die Menschen fordern sie heraus sich immer wieder der Grundlagen ihres Glaubens zu besinnen.
Mit Ihrer überzeugenden Lebensform ohne klösterliche Regeln
„Gott im Hier und Jetzt einen Ort sichern“ wird sie zur Mitarbeit bei der Vorbereitung des 2. Vatikanischen Konzils gebeten.

Zeit ihres Lebens wehrt sie sich gegen überkommene Moralvorstellungen, weil die Menschen um sie herum sich inner- und außerhalb der Kirche davon nicht mehr angesprochen fühlen, weil es nichts mit ihrem Leben zu tun hat. Gemeinsam versuchen die Frauen der Gemeinschaft von Madeleine Delbrêl den Menschen nah zu sein und darin Gottes Liebe zu bezeugen.

Madeleine Delbrêls Spiritualität ist realistisch und alltagstauglich. „Beim besten Willen: Ich kann die Welt nicht retten! Einem anderen Menschen jedoch mit seine*r Lebensrealität Ansehen zu geben, kann für diese*n die Welt verändern.“ Weitere Zitate von M.D.: „Gott möchte nicht geliebt werden, wie wir wollen, sondern wie er will.“ „Strategie ist die eine Seite, die Wege Gottes die andere.“

Bei ihrer Beerdigung sagt der kommunistische Bürgermeister von Ivry: „Ich glaube auch jetzt nicht an Gott, aber wenn es ihn gibt, trägt er die Züge von Madeleine.“

Quelle: https://www.ojc.de/brennpunkt-seelsorge/2019/hingabe-freiwillig-willen/zeugnis-madeleinedelbrel-hingabe/

© Amis de Madeleine Delbrêl