„Zeuginnen des Glaubens“ Hedwig von Andechs – Herzogin von Schlesien – 1174 – 1243

Hedwig von Andechs

Heiligenstatue der Hedwig von Andechs aus der Kirche St. Hedwig Görlitz (Methusalem at https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Hedwig_von_andechs.jpg)

Ein kleiner Einblick in die Lebensgeschichte der Herzogin Hedwig von Schlesien:

1174 wird Hedwig als Tochter des Grafen Berthold III. und seiner zweiten Frau Agnes in eine zu dieser Zeit mächtigste Fürstenfamilie Europas hinein geboren, in den Hochadel.
Ihr Zuhause: Die Burg Andechs am oberbayerischen Ammersee.
Gemäß ihrer Zeit und ihres Standes erhält sie ab ihrem 6. Lebensjahr eine umfassende Bildung in den Klöstern des Mittelalters. So lebt Hedwig im bekannten Benediktinerinnenkloster Kitzingen am Main. Erst als Zwölfjährige kehrt sie aus der klösterlichen Stille in das ihr fremd gewordene, höfische Treiben auf Burg Andechs zurück Der Herzog von Andechs-Meran und der Herzog von Schlesien wurden sich schnell einig: Der eine hatte einen jungen, unverheirateten Sohn und Erben; der andere eine junge, unverheiratete Tochter! – Berthold also versprach Hedwig zur Frau des künftigen Herzogs von Schlesien, Heinrich des I. Die junge Hedwig gehorcht mehr dem Willen ihrer Eltern als ihrem eigenen als sie ihn 1186 auf der Burg Andechs heiratet. Danach ziehen die jungen Brautleute über Plauen und Meißen nach Schlesien.

Im Gegensatz vieler im Mittelalter üblicher Jugendehen der Herrscherhäuser, die nicht zum Guten verliefen, bleiben Herzog Heinrich und seine oberbayerische Frau viele Jahrzehnte in Liebe verbunden. – Sieben Kinder wird die junge Herzogin zur Welt bringen, von denen sie am Ende sechs überlebt! Nach dem Tode seines Vaters erbt Heinrich dessen Besitzungen als Alleinerbe! Die Geschichte nennt Heinrich I. einen sehr zielstrebigen Herzog, der es versteht, Schlesien als machtvolles Herzogtum zu stabilisieren.

Hedwig steht als starke Frau an Heinrichs Seite. Ihre Lebensaufgabe erkennt sie darin, das Land wirtschaftlich wie kulturell zu entwickeln.
Hedwig kennt die Not der zweit- und drittgeborenen Söhne der Bauern in den deutschen Fürstentümern und ermöglicht ihnen in den Weiten von Schlesien Städte und Dörfer zu gründen, um dort als freie Menschen auf eigenem Grund leben zu können. Zehntausende Bauern und Handwerker kommen nach Schlesien.
Hedwig sieht sich als Mutter des Landes Schlesien. Sie selbst verteilt immer wieder herzogliche Vorräte an Hungernde und kümmert sich persönlich um arme und verlassene Mitmenschen. – Niemals fehlen an ihrem Mittagstisch arme Menschen „von der Straße“. Als durch Missernte eine Hungersnot im Lande ausbricht, lässt sie die Scheunen und Keller ihres Privatgutes Schawoine (heute Zawonia) öffnen und an die Armen verteilen. Begabte Töchter und Söhne armer Eltern lässt sie erstklassig ausbilden. Mehr noch: Studenten unterstützt sie, wo sie kann. Hedwig steigt allein in die Kerker der Gefangenen, erleichtert deren Los und kritisiert die Grundherren im Lande laut, wenn sie Unrecht erkennt. Todesstrafen erlässt sie, wenn die Verurteilten ihr Leben zukünftig guten Werken widmen. Herzogin Hedwig erkennt:

„Erst allmählich sah ich ein, dass es nicht genügte, einfach fromm zu sein und die Gebote zu beachten. Ich musste mich klein und kleiner machen!“

Und es gelingt ihr, neben einem Leben mit hoher Kunst, Staatspräsentation und weltlichen Geschäften ein Leben der Frömmigkeit, das Leben einer christlichen Asketin, zu führen. Streng ist Hedwigs Nahrungsaskese. Sie fastet täglich, ausgenommen an Sonntagen und an gewissen Feiertagen. Das Herzogpaar stiftet zahlreiche Klöster. Unter dem Einfluss seiner Frau gründet Herzog Heinrich das erste Frauenkloster in Trebnitz Schlesien. Zisterzienserinnen aus Bamberg ziehen ein und gestalten von nun an klösterliches Leben. Die Herzogin Hedwig lässt sich im Garten der Klosteranlage ein kleines Häuschen bauen, um vor Ort zu leben. Hedwig stirbt 1243 in Trebnitz. Die Schlesier errichten ihr ein wundervolles Hochgrab.

Bereits zu Lebzeiten ist sie eine Legende und das Volk ehrt sie auch nach ihrem Tode so sehr, dass der Papst Clemens IV sie bereits 24 Jahre nach ihrem Tod am 26. März 1267 heiligspricht. Der Papst nennt sie „Ein starkes Weib“, und als solches wird sie zur Landespatronin aller Schlesier bis auf den heutigen Tag!

Nach dem zweiten Weltkrieg nehmen die vertriebenen katholischen Schlesier*innen die Hedwigsverehrung mit in ihre neuen Pfarrgemeinden. Die heilige Hedwig wird zur Symbolgestalt für die verlorene Heimat. Heute gilt die heilige Hedwig auch als Patronin der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen.

Namenstag: 16. Oktober

Quelle:
https://www.heiligenlexikon.de/BiographienH/Hedwig_von_Schlesien.htm