„Zeuginnen des Glaubens“ Lydia von Philippi

Lydia von Philippi, Purpurhändlerin, erste Christin in Europa

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Denkt man an das frühe Christentum in Europa, kommen einem vielleicht als Erstes Rom und Petrus in den Sinn.

Doch der erste Mensch, der sich auf europäischem Boden taufen ließ, war eine Frau namens Lydia, die im 1. Jahrhundert in der antiken makedonischen Stadt Philippi lebte. (Apg 16,11-15,40). In der Apostelgeschichte wird Lydia als Purpurhändlerin bezeichnet.

Sie wurde in der Stadt Thyatira in Lydien (heutige Türkei) geboren. In der Antike war es üblich Sklav*innen nach ihrer Herkunft oder dem Ort ihres Verkaufs zu benennen. Der Name Lydia ist ein Hinweis darauf, dass sie für eine gewisse Zeit in ihrem Leben Sklavin gewesen sein muss. In Philippi lebte sie als Zugezogene und handelte mit Purpur. Purpur war ein sehr teurer Farbstoff zum Färben von Stoffen. Die römische Prägung der Stadt Philippi war für die Purpurhändlerin Lydia von Vorteil, denn die Führungsschicht schätzte Purpurne Gewänder als Statussymbol.

Lydia glaubte nicht an die griechischen, makedonischen und römischen Götter, sondern sie fühlte sich denen aus dem monotheistischen Judentum nahe, die sich zu den Gottesfürchtigen zählten.

Als Paulus und Silas nach Philippi kamen, vermuteten sie die Gebetsstätte der Juden außerhalb der Stadt am Fluss. Dort trafen sie auf eine Gruppe von Frauen, zu der auch Lydia gehörte.
Nach dem Gespräch der Frauen mit Paulus und Silas ließ Lydia sich und alle Angehörigen ihres Haushalts und Betriebes von Paulus taufen.

Das war die erste Taufe in Europa über die im neuen Testament berichtet wird.

Lydia und ihre Familie bekannten sich zum christlichen Glauben. Die Beschreibung von Lydia als Hausherrin lässt den Schluss zu, dass sie als verwitwete oder alleinstehende, unabhängige Frau einem Haushalt vorstand. Lydia lud Paulus und Silas in ihr Haus ein und entwickelte im Verlauf der Zeit eine Hauskirche für die Gemeinde der philippischen Christ*innen. Ebenso unterstützte sie Paulus finanziell.
Möglicherweise gehörte Lydia zu den Bischöfen und Diakon*innen, die Paulus zu Beginn seines Briefes an die Philipper (Phil1,1) begrüßte.
Auch wenn Lydia später in der Apostelgeschichte nicht weiter erwähnt wird, so steht doch fest, dass sie die Türen in Europa für den Glauben an Jesus Christus geöffnet hat. Sie konnte den Worten von Paulus schnell Glauben schenken und unterstützte ihn bei seiner Missionstätigkeit.

Paulus schrieb, er habe Lydia ins Herz geschlossen (Phil1,7).

Wir heutigen Christ*innen haben Lydia von Philippi ganz viel zu verdanken.
In den Orthodoxen Kirchen wird Lydia sehr große Verehrung zuteil, sie wird als apostelgleich bezeichnet und auf zahlreichen Ikonen dargestellt.

Gedenktag: katholisch: 3. August,
evangelisch: 27. Januar (ELCA), 25. Oktober (LCMS)
orthodox: 7. Mai

Textquelle: Zeitschrift „Die Mitarbeiterin“ 3/2021
https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wibi/pdf/Lydia__2018-09-20_06_20.pdf