Gedenken der Toten im Mittelmeer – nach 7 Jahren

Am 03.10.2013 kamen bei einem Bootsunglück vor der Insel Lampedusa mindestens 366 Menschen ums Leben. Acht Tage später, am 11.10.2013, geriet ein weiteres Boot vor der Insel in Seenot, weil die Notrufe von den italienischen und maltesischen Rettungsstellen zu lange ignoriert wurden. Es ertranken erneut 268 Menschen. Nun sind sieben Jahre vergangen und die Situation ist nahezu unverändert.
 
Dem Aufruf mehrerer Seenotrettungsorganisationen folgend, sind unsere Kirchen offen für das Gedenken an die Toten im Mittelmeer. Es können Kerzen angezündet werden.
 
Außerdem ein Hinweis zur Unterstützung von Seenotrettung. Das von der evangelischen Kirche initiierten Bündnis „United4Rescue“, welches die SeaWatch4 aufs Mittelmeer schickte, ist dankbar für Unterstützungen: https://www.united4rescue.com/
 
Papst Franziskus schreibt in seiner neuen Sozial-Enzyklika: „Niemand darf aufgrund seiner Herkunft ausgeschlossen werden und schon gar nicht aufgrund der Privilegien anderer, die unter günstigeren Umständen aufgewachsen sind. Auch die Grenzen und Grenzverläufe von Staaten können das nicht verhindern. So wie es inakzeptabel ist, dass eine Person weniger Rechte hat, weil sie eine Frau ist, so ist es auch nicht hinnehmbar, dass der Geburts- oder Wohnort schon von sich aus mindere Voraussetzungen für ein würdiges Leben und eine menschenwürdige Entwicklung liefert.“ (Fratelli Tutti 121)
Wir gedenken der Toten im Mittelmeer und bitten für alle Menschen an den Grenzen Europas. Im Christlichen geht es um die Liebe, die alle politischen und räumlichen Grenzen übersteigt.
In einem Zeit-Online-Artikel fasst die Politikwissenschaftlerin und Theologin Antje Schrupp sehr gut zusammen, worum es in der Diskussion um das C und die Seenotrettung geht: „Es geht dabei, wohlgemerkt, nicht um die Frage, ob man anderen Menschen helfen soll, wenn sie in Not sind. Das soll man natürlich, aber diese Erkenntnis hat nichts spezifisch Christliches, es gibt sie in allen ernstzunehmenden Religionen und humanistisch geprägten Weltanschauungen. Man braucht keine christlichen Werte, um zu wissen, dass man in Moria helfen muss. Die Besonderheit einer genuin christlichen Position liegt vielmehr darin, diese Aufforderung, anderen zu helfen, als bedingungslos zu setzen.“