Monatslied Juni 2015: Preise, Zunge, das Geheimnis GL 493

Das Lied, das sich für den Monat Juni als Monatslied anbietet, gehört zum Fronleichnamsfest. Es ist von dem großen Theologen des Spätmittelalters, Thomas von Aquin, zum ersten Fronleichnamsfest (1264) gedichtet. In dichterischer Sprache betrachtet er das Geheimnis der Eucharistie und möchte uns einladen, dass auch wir uns dahinein versenken.

Thomas hat sich für seinen Hymnus vom Passionshymnus des Venantius Fortunatus (535 bis 600) anregen lassen, und er beginnt ihn mit den gleichen Worten: Pange, lingua, gloriosi… Unser Gesangbuch bietet den Fronleichnamshymnus im Original     (GL 494) und in einer Übersetzung von Liborius Olaf Lumma. Es gibt viele deutsche Übersetzungen; alle standen vor der Schwierigkeit, einerseits die großartige Dichtung und andererseits die hohe Theologie des Verfassers in dem Text auszudrücken. Aber entweder haben sie mehr auf den dichterischen Ausdruck geachtet und dabei die theologischen Feinheiten unbeachtet gelassen, oder sie haben die Theologie korrekt ausgedrückt und schufen einen Text, der nicht singbar war. Der jetzige Text ist bislang der beste, der beiden Ansprüchen genügt.

Str. 1 fordert uns auf, das große Geheimnis des Leibes und Blutes zu künden, das Gott uns in den Zeichen von Brot und Wein geschenkt hat. In diesen Gaben begegnet uns der aus Maria geborene Jesus Christus, der bis in Ewigkeit herrscht.

Str. 2 fasst das Leben und Werk Jesu im großen Überblick zusammen: Gottes Sohn, geboren aus der Jungfrau Maria, Mensch geworden, unter Menschen das Wort Gottes verkündigend, bis Er am Ende Seines Lebens das große Wunder der Eucharistie schenkt.

Str. 3 und 4 gehen diesem „Wunder der Liebe“ nach: dem Abendmahl, in dem sich der Herr den Seinen als Speise schenkt. Das Fleisch gewordene Wort schafft aus dem Brot das wahre Fleisch Jesu und Sein Blut. Dieses Geheimnis ist nicht mit den Sinnen zu begreifen, sondern kann nur mit bereitem Herzen geglaubt und begriffen werden.

Str. 5 fordert uns auf zur Anbetung dieses Geheimnisses, das über den Alten Bund hinausgeht.

Str. 6 schließt mit der in allen Hymnen üblichen Doxologie, dem Lobpreis auf den dreifaltigen Gott.

Die letzten beiden Strophen 5 und 6 werden nach alter Tradition vor dem eucharistischen Segen gesungen. Sie sind eigens abgedruckt unter den Nummern 496 und 883. Beim eucharistischen Segen folgt dann noch ein Gebet, das sich unter der Nr. 592, 4 findet.

Das neue Monatslied ist uns zwar nicht unbekannt. Aber viele tun sich schwer damit. Dieses Lied unterscheidet sich von vielen Gesängen dadurch, dass es keine Notenhälse hat. Es ist ein Hymnus , der ganz und gar vom Wort bestimmt ist. Wenn wir sprechen haben unsere Worte unterschiedliche Dauer. Das gilt auch bei diesem Gesang. Um ihn richtig singen zu können, muss man sich dem Fluss der Worte überlassen. Der Hymnus wird durch keinen Takt bestimmt; und man darf ihn nicht Note für Note singen, dann verunstaltet man ihn. Beim Singen muss man den Wortakzent beachten. Den meisten Silben entspricht jeweils nur eine Note, an wenigen Stellen begegnen uns Zweier- und Dreiergruppen; hier hat immer die letzte Note die Betonung. Das Lied verlangt flüssiges Singen. Erst dann entdeckt man seine Schönheit.

Eberhard Laufköter, Pfarrer