Monatslied März 2015: „Der König siegt, Sein Banner glänzt“ (GL 299)

Als Gregor von Tours und die heilige Königin Radegundis bei der Einweihung einer Kirche in Poitiers in großer Prozession ein Kreuzpartikel abholten, wurde dieser Hymnus zum ersten Mal gesungen. Er verherrlicht den Kreuzesstamm, an dem das Lamm Gottes für die Sünden der Welt Sein Leben hingab.

Der Dichter ist Venantius Fortunatus (530 bis 600), ein überaus formgewandter, an der Antike geschulter, hochbegabter Dichter. Seine Dichtungen gehören der Form nach noch zur Antike; seinem Empfinden und Fühlen nach muss er aber bereits als mittelalterlicher Mensch angesehen werden. Der Text des Liedes „Der König siegt, Sein Banner glänzt“ ist verschiedentlich verändert worden.

Str. 1: Wie der König und Feldherr beim Einzug in eine Stadt Feldzeichen und Standarten vorantragen lässt, so wurden auch bei Prozessionen mit dem Allerheiligsten dem König des Himmels und der Erde Seine Siegeszeichen, Kreuz und Fahnen, vorangetragen. Das Symbol des Kreuzes weist hin auf das größte Geheimnis des Christentums: Christus – das Leben: Er erduldete am Kreuz den Tod und erwarb dadurch den Menschen das ewige Leben wieder.

Str. 2 erinnert daran, dass gemäß dem Johannesevangelium (19,34) nach Jesu Tod ein Soldat in Seine Seite stach und sogleich Blut und Wasser hervortraten. Dieses Blut und Wasser sind Bilder für die beiden wichtigsten Sakramente Taufe und Eucharistie.

Str. 3 macht deutlich, dass schon die Bibel des Alten Testaments auf die Erlösung hinweist. Im Psalm 96,10 spricht sie von der Herrschaft Gottes. An dieser Stelle überlieferte die altlateinische Bibelübersetzung vor dem Kirchenlehrer Hieronymus (347-420) das Wort „am Holz“, das dieser Gelehrte für eine Erklärung des Textes ansah und deswegen von da an nicht mehr in den späteren Übersetzungen erscheint.

Str. 4: Edler Baum in hehrem Glanz ist das Kreuz nicht wegen eigener Vorzüge, sondern wegen des Königs Christus, den die altchristliche Kunst am Kreuz mit Krone und Purpurmantel, dem Zeichen königlicher Macht, darstellte. Der Baum des Kreuzes, das ausgewählt wurde, war also deswegen ein so würdiger Stamm, weil er den Leib des Heilandes tragen durfte.

In Str. 5 wird gleichsam die Summe des Kreuzes zusammengefasst: Die nicht glauben, verstehen nichts vom Geheimnis des Kreuzes. Es erschließt sich nur dem Glaubenden (das meint hier das Wort „den Treuen“), ihnen wird durch Christus Vergebung der Schuld geschenkt.

Str. 6 fordert die ganze vernunftbegabte Schöpfung – Engel und Menschen – auf, in besonderer Weise die Dreifaltigkeit zu loben und zu preisen. Den Menschen aber, denen ja der Sieg des Kreuzes, die Verdienste des Kreuzestodes, zugutekommen, möge die ewige Belohnung zuteilwerden.

Die Melodie des Hymnus entspricht weitgehend dem der lateinischen Fassung, verzichtet aber auf Melismen, die dem deutschen Text nicht angemessen sind.

Pfarrer Eberhard Laufköter