In Jesus und seiner heilenden Nähe brennt der Dornbusch weiter

DLF-Radiogottesdienst am Sonntag, 28. Februar 2016
in der Pfarrkirche Heilig Geist in Stade
Predigt: Pfarrer Matthias Kaleth

Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Gemeinde,

manchmal sieht und erlebt man in der Dunkelheit viel mehr als bei normalem Tageslicht. So erging es uns vor einigen Wochen bei dem Angebot „Kirche im Dunkeln“ von unserer Gemeindereferentin Renate Vornholt. Es war abends, kein Licht in der Kirche. Nur hin und wieder der Schein einer Taschenlampe. Denn Kirche im Dunkeln, das war etwas für kleine und große Nachteulen, die nur eine kleine Taschenlampe dabei hatten. Manche erinnerten sich vielleicht an den besonderen Reiz von Nachtwanderungen im Rahmen von Klassenfahrten oder Ferienfreizeiten. Doch in der Kirche war es nicht total finster.

Ein einziges Licht erleuchtete die große zeltartige Kirche Heilig Geist, in der wir hier versammelt sind. Und wenn dieses Licht rubinrot leuchtet, verströmt es einen besonderen Charme. Es ist ein Licht, das immer leuchtet, ein ewiges Licht. Bei Tageslicht fällt das gar nicht so auf. Das ewige Licht am Tabernakel, dem Zelt Gottes in der Gemeinde. Das ist die Erinnerung an das Offenbarungszelt in dem das Volk Israel die Schriftrollen mit der Weisung Gottes- auf der Wüstenwanderung gut geschützt – mitgeführt hat.

Einige Kinder erinnerten sich beim ewigen Licht an den Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt, die Lichtquelle einer besonderen Gegenwart. Wir machen uns ganz klein, verneigen uns und knien nieder. Können wir das noch in allem Trubel um uns – Innehalten, überwältigt sein, das Mysterium erahnen?

„Wo immer ich das Buch (die Bibel) aufschlug, waren seine Worte und Sätze schön und geheimnisvoll, voller Zauber und Kraft“, so erinnert sich Ulla Hahn in ihrer Autobiografie. Menschen erfahren dies auch, wenn sie in einem heiligen Raum eine besondere Atmosphäre erfahren, die einfach nur staunen lässt. Momente, die ganz ergreifen.

Das Feuer des Dornbusches ist ein starkes Bild für Gottes gegenwärtige Energie. Wenn mein Lehrer Erich Zenger in seiner Vorlesung diese Stelle auf Hebräisch las, vibrierte der Vorlesungssaal in Münster: „EHJEH ASCHER EHJEH“: „Ich werde da sein als der ich da sein werde“ oder wie es in der liturgischen Fassung der Einheitsübersetzung heißt „Ich bin der ich bin“.

Diese Zusage der göttlichen Gegenwart lässt sich universal deuten – Quasi in alle Himmelsrichtungen: Gott ist zuverlässig: Ihr könnt euch darauf verlassen, dass ich da bin, wenn Not ist. Gott ist unverfügbar: Ich bin so da, wie ich es will und nicht wie ihr es gerne hättet. Gott ist exklusiv: Ich bin ich und kein anderer; damit müsst ihr fest rechnen. Gott ist überall: Ihr könnt mir keine Schranken setzen, auch nicht die des Todes.

„Wissen wir wann sein Wort uns durchdringt?“, so fragt der Nobelpreisträger Elie Wiesel und „wenn wir angesichts seines Schweigens erzittern? Wir wissen nichts als seinen Namen. Sucht mich nicht in der Gegenwart, selbst mein Name ist eine Projektion in die Zukunft.“

Gerade auch dann, wenn wir voller Zweifel sind und Gottes Nähe nicht spüren oder wir sie uns ganz anders wünschten im Angesicht von menschlichem Leiden: Wir dürfen glauben und vertrauen: Gott ist gegenwärtig, Gott ist der Mitgehende, Gott ist mitleidend, er weiß um unsere Klagen und Tränen; er sammelt sie wie in einem Krug, wie es in einem Psalm heißt. Der Gott, den uns die Bibel bezeugt und an den wir glauben ist nicht gleichgültig.

Papst Franziskus hat in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2016 diese Begegnung des Mose mit Gott am Dornbusch aufgegriffen. Es sei wichtig auf die „Worte zu achten, die Gottes Eingreifen umschreiben: Gott sieht, hört, kennt, steigt herab und entreißt, das heißt er befreit.“ Gott ist der, der um das Elend so vieler seiner Geschöpfe weiß, damals wie heute.

Liebe Gemeinde, liebe Hörerinnen und Hörer,
inzwischen liegen fast drei Monate des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit hinter uns, das Papst Franziskus ausgerufen hat. Seine Botschaft: „Barmherzigkeit sei das Herz Gottes und müsse das Herz seiner Kinder sein. Ein Herz, das überall dort heftig schlägt, wo die Menschenwürde – ein Widerschein von Gottes Angesicht in seinen Geschöpfen – auf dem Spiel steht.“

Rot ist die Farbe des Herzens, rot leuchtet auch das ewige Licht hier in der Kirche. Diese Farbe ist Ausdruck von Leben und Kraft. In prähistorischer Zeit haben Menschen sich mit Ocker rot angemalt: Lebendigkeit und Kraft wollten sie ausstrahlen. Selbst die Toten bestrichen sie mit roter Farbe. Vielleicht aus Hoffnung auf ein Leben danach. Kraftvoll durchwirkt von Energien, dies vermittelt die Farbe Rot. Wenn die Liebenden vierzig Jahre durch „dick und dünn“ gegangen sind, sich in Freud und Leid beigestanden haben, feiern sie die Rubinhochzeit – ihre Liebe leuchtet sozusagen in einem wunderbaren Rot.

Das Rot erinnert aber auch an all die Opfer der Geschichte, den Blutrausch der Verrohten, die keinen Respekt vor dem Leben des Anderen haben, die Opfer des täglichen Terrors auf dieser Erde.

Die Begeisterung, die Moses befähigt, dem Volk von seiner Gottesbegegnung zu erzählen, lässt ihn in der roten Feuersglut er-leuchten, so die Schrift. Es ist das pfingstliche Rot, das Menschen bewusst werden lässt, dass Gott sich nach dem Menschen sehnt. Ein Wort des Origines betont mit Blick auf Jesus Christus „wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe.“ Der Gott, der damals herausführte in die Freiheit, gibt unzähligen Menschen auch heute den Mut einzustehen für Recht und Gerechtigkeit.

Mir hilft ein Moment des Tages in der Stille der Kirche, einfach nur zu verweilen vor dem Geheimnis Gottes mit Blick auf das ewige Licht, vor dem Tabernakel.

In Jesus und seiner heilenden Nähe brennt der Dornbusch weiter. In der praktizierten Barmherzigkeit werden Menschen unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung zu brennenden Dornbüschen Gottes, die sich immer wieder neu berühren und ergreifen lassen. Für sie alle gilt, was Elie Wiesel einmal von den jüdischen Chassidim gesagt hat: „Ausgestattet mit geheimnisvollen Kräften durchstreifen sie die Erde, erwärmen und verändern sie; machtvoll dazu befähigt Zweifel und Kummer in Begeisterung, in Lobpreisung des Lebens umzuwandeln.“

Für mich verkörpert das ewige Licht diese Barmherzigkeit des Herzens und lässt Gottes Segen mit allen sein, die dieses Wagnis des Glaubens gehen. Das Licht möchte uns ermutigen, die Pforte der Barmherzigkeit immer wieder für andere zu öffnen.

Amen.

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Bild: Tabernakel in Heilig Geist, Foto Ralf Fritzsch

Gott lenkt die ungewissen Lose

Gestern Abend in der Krypta von Heilig Geist: Zwölf Menschen feiern die Spätschichtmesse in der Fastenzeit am Festtag des Apostels Matthias, zugleich Namenstag unseres Pfarrers Matthias Kaleth. Nach dem Evangelium hören wir Auszüge aus einer Predigt von Karl Kardinal Lehmann über die Erwählung des Apostels, gehalten vor einem Jahr im Hildesheimer Mariendom.

Man lässt schließlich Gott die Wahl. Er selbst muss in ein solches Amt berufen. Es gibt keine Kampfabstimmung. Er kennt am besten die Abgründe der Menschen. Er ist – ein wichtiger Name Gottes ab jetzt – „der Herzenskenner“ (vgl. auch Apg 15,8): er kennt die innere Ausrichtung der Menschen. Es ist auch kein blindes Vertrauen auf das „Los“. Im Gegenteil: Wie immer es mit dem Losverfahren genauer zuging, zuerst betet die Gemeinde intensiv. „Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen.“ (1,24.25) Dieses Gebet ist zentral. In seiner Mitte ist von der Erwählung die Rede, also ein personales Geschehen.

Das Losverfahren gibt Gott seine Freiheit und achtet auf seine Souveränität sowie sein Recht. Gott selbst wird eine letzte, von menschlichem Einfluss freie Wahl im Sinne einer raschen, einfachen und unparteiischen Entscheidung (vgl. auch Spr 16,33) eingeräumt. Gott lenkt die ungewissen Lose.

Nach der Messe schließlich brechen wir das Fasten mit Käsehäppchen, Nürnberger Würstchen und Rotwein auf das Wohl unseres Pfarrers und, wie er es formuliert, die Apostolizität der Kirche.

Bunter Nachmittag – Flüchtlingscafé – am Sonntag, 26. Juni

Nach den guten Erfahrungen mit den ersten Treffen laden wir nun regelmäßig einmal im Monat zu einem Bunten Nachmittag – Flüchtlingscafé – nach Heilig Geist ein. Wir treffen uns wie gehabt zum geselligen Miteinander zur Kaffeezeit am 26. Juni.

Von 15 bis 17 Uhr besteht jeweils die Gelegenheit zu Spiel, Basteln und Gesprächen. Neben Flüchtlingsfamilien steht der Mariensaal auch anderen Neuzugezogenen sowie allen Einheimischen offen, die an einer Begegnung interessiert sind. Wir freuen uns über weitere Mitstreiter!

Für die Vorbereitungsgruppe
Marianne Zimmer
Tel.: 0 41 41/6 59 15 68
Mail: komazimmer@gmx.de

Impressionen vom Bunten Nachmittag im Juni

Heilige Messe aus Heilig Geist am 28. Februar im Deutschlandfunk

Wer schon immer einmal wissen wollte, wie wir in Heilig Geist die Heilige Messe feiern, es aber selbst nicht in die Kirche schafft, aus welchen Gründen auch immer, der hat am 28. Februar um 10.05 Uhr eine besondere Gelegenheit. Dann nämlich überträgt der Deutschlandfunk die Sonntagsmesse aus Stade.

Die Predigt hält Pfr. Matthias Kaleth. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von der Kirchenband unter Leitung von Dominic Berger.