Heilig Geist

Die Heilig-Geist-Kirche wurde in den Jahren 1959/60 gebaut und am 2. Pfingsttag 1960 durch den Hildesheimer Weihbischof Heinrich Pachowiak konsekriert. Entwurf und Ausführung teilten sich Oberregierungsbaurat Paul Wolters, Hannover, und Architektin Hildegard Buttge, Stade.

Der Innenraum wurde 1985 neu gestaltet und den Erfordernissen der nachkonziliaren Liturgiereform angepasst. Die künstlerische Gestaltung lag in den Händen des Bildhauers Josef Baron aus Unna. Die Zeltform der Kirche mit dem siebeneckigen Raum (die sieben Gaben des Heiligen Geistes symbolisierend) bot hierfür den geeigneten Rahmen. („Sehet das Zelt Gottes unter den Menschen.“ Offb 21,3).

Altar

Den Mittelpunkt bildet der runde Altar, der weit in die Mitte der Kirche, d.h. genau unter die Spitze des Zeltdaches, gesetzt worden ist. Die Gemeinde versammelt sich nicht mehr wie früher vor dem Altar, sondern bildet eine Gemeinschaft um den Altar herum. (Die neue Aufstellung der Kirchenbänke im Halbrund betont diesen Gemeinschaftscharakter.)

Das Material des Altares ist französischer Savonnières, ein heller Sandstein. Der Künstler legte großen Wert darauf, das der Altar nicht auf den fertigen Fußboden aufgesetzt, sondern in ihn eingelassen wurde und somit gleichermaßen wie ein Fels aus dem Boden wächst. Er soll Festigkeit und Tragfähigkeit symbolisieren. Die runde Form ist – entsprechend einem Ring – Zeichen für das Unendliche und Absolute.

Der Ambo hat – im Gegensatz zu den Sedilien – einen festen und unverrückbaren Platz im Altarraum und betont dadurch die Gewichtigkeit des Wortes Gottes, das von ihm aus verkündet wird. Er ist aus Bronze gefertigt und zeigt in einem großen Medaillon die Darstellung des Pfingstwunders, wie es uns im Neuen Testament überliefert ist: Der Heilige Geist kommt in Gestalt von Feuerzungen auf die junge Kirche herab, d.h. auf die Jünger und auf Maria, die Mutter der Kirche.

Das Gitterwerk der Altarrückwand mit dem Tabernakel nimmt die Medaillenform mehrfach auf. Trotz der Höhe von fünf Metern und der Breite von vier Metern wirkt das Kunstwerk leicht und durchlässig. Knospen und Blüten umgeben den Tabernakel und die Medaillons. Sie sind Zeichen für werdendes und blühendes Leben. (Knospen und Blüten finden sich auch an den weiteren Bronzewerken: an den Leuchtern im Altarraum, am Osterkerzenleuchter, am Taufbrunnen und an dem Geländer beim Abgang zur Krypta.) Das Thema des Tabernakel-Gitterwerks ist der Heilsplan Gottes.

Tabernakel

Der Tabernakel selbst ist der Mittelpunkt des Bronzereliefs, äußerlich hervorgehoben durch die leuchtend polierte Bronze. Auf den Tabernakeltüren ist der Anfang der Heilsgeschichte dargestellt, die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria. Diese Darstellung ist der Ausgangspunkt der Betrachtung des Reliefs.

In den Abbildern auf den sechs Medaillons erfüllt Christus den Heilsplan Gottes. Er übergibt sich dem Leiden.

1. Medaillon (links unten):
Am Ölberg: Ein Engel überreicht Jesus den Kelch des Leidens.

2. Medaillon (links Mitte):
Die Fußwaschung: Jesus ist gekommen, um zu dienen.

3. Medaillon (links oben):
Das Abendmahl: Jesus schenkt sich seinen Jüngern.

4. Medaillon (rechts unten):
Die Verhöhnung: Jesus wird die Dornenkrone aufs Haupt gesetzt.

5. Medaillon (rechts Mitte):
Vor Pilatus: Jesus wird zum Tode verurteilt.

6. Medaillon (rechts oben):
Es ist vollbracht: Ein Engel fängt in einem Netz die Leidenswerkzeuge auf und trägt sie zum Himmel.

Eines der Medaillions

Die sechs Medaillons umrahmen das zentrale Geschehen, das in der Mitte des Bronzereliefs dargestellt ist: die Kreuzigung und Auferstehung des Herrn.

Unter dem Kreuz sehen wir zur Linken Maria, die Mutter des Herrn, die zugleich als Mutter der Kirche das Buch des Alten Testamentes trägt. Neben ihr ist Maria Magdalena dargestellt, die den Leib des Gekreuzigten umfasst. Zur Rechten sehen wir den Jünger Johannes, der das Buch des Neuen Testamentes trägt.

Über dem Kreuz zeigt sich der auferstandene Herr, der die Leichentücher noch in der Hand hält und von zwei anbetenden Engeln begleitet wird. Über ihm senden die Hände Gott Vaters den Geist aus in Gestalt einer Taube. So wird das von Jesus erlebte Geschehen im Licht des Heiligen Vaters gedeutet als Erfüllung des Heilsplanes Gottes. („Vater, ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zuende geführt, das du mir aufgetragen hast…“ Joh 17,4).

Der Osterkerzenleuchter bildet einen weiteren markanten Punkt im Altarraum. Er erreicht eine Höhe von 1,36 Metern und präsentiert in drei Stufen die wesentlichen Stationen aus dem Leben Jesu. Von unten nach oben betrachtet:

1) Geburt Christi (Maria mit dem Kind, Anbetung der drei Könige)

2) Tod Christi (Kreuzigungsgruppe mit Soldaten)

3) Auferstehung Christi (Christus mit Leichentüchern, Engel)

Den Abschluss bildet die Osterkerze selbst, das Symbol des Auferstandenen.

Taufbrunnen

Der Taufbrunnen ist wie die anderen Kunstwerke aus Bronze gefertigt und hat ebenfalls seinen Platz im Altarraum. Er ist 1,30 Meter hoch und zeigt Motive aus dem Alten und dem Neuen Testament, die auf die Taufe hindeuten.

1) Die Ansichtsfläche des Wasserbehälters: Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer und Vernichtung der Ägyptischen Streitmacht; Wasser, das aus dem Felsen strömt; der brennende Dornbusch.

2) Die Oberfläche des Wasserbehälters: Die Symbole der vier Evangelisten; Knospen und Blüten wie bei den anderen Bronzewerken.

3) Der aufklappbare Deckel: Wellen und Netze mit Fischen. Der Griff des Deckels hat die Form einer Schlange.

An der rechten Seite des Altarraums führt eine Treppe in die Krypta (Unterkirche). Dort dient ein Findling als Altar, ein Stein, den man bei den Bauarbeiten gefunden hat. Die Altarrückwand schmücken zwei Sgraffitos. Sie zeigen den Heiligen Georg und den Erzengel Michael im Kampf mit dem Drachen.

Buntglasfenster

Die Buntglasfenster (1982) hat der Kunstmaler Josef Nienhaus aus Ahaus entworfen, ebenso wie die Fenster in der St. Josefskirche.

Das Mosaik in der Seitenkapelle ist von dem Künstler Ludwig Baur aus Telgte (1904-1977) gestaltet worden. Es stellt die Verkündigungsszene dar. Auch das Fenster in der Marienkapelle ist von diesem Künstler entworfen.

Die Orgel (1988) aus der Werkstatt der Gebrüder Hillebrand aus Isernhagen bei Hannover hat 23 Register und ca. 1500 Pfeifen.

Einer der 14 Kreuzwegstationen Jesu

Die 14 Kreuzwegstationen aus Terracotta wurden im Jahre 1968 von dem Künstler Karl Zwernemann aus Essen-Haarzopf hergestellt.

Die in Kupfer getriebenen Eingangstüren der Kirche von Jakob Riffeler, Köttingen, zeigen Darstellungen aus dem Neuen Testament sowie Szenen aus dem Leben des Heiligen Nikolaus und des Heiligen Georg.

Möge die Betrachtung der Kunstwerke und das Verweilen in diesem Gotteshaus Sie zu innerer Sammlung und zum Gebet anregen.