Monatslied Juni 2017- Gotteslob 786: Komm herab, o Heil‘ger Geist

Gotteslob 786: Komm herab, o Heil‘ger Geist

Wenn auch das Pfingstfest schon hinter uns liegt, wollen wir uns dennoch mit einem Lied zum Heilgen Geist befassen. Der Heilige Geist hat immer Bedeutung für unser Leben. Ohne Ihn können wir nicht glauben und lieben; ohne Ihn ist christliches Leben nicht möglich; mehr noch:  die ganze Welt ist von Ihm erfüllt. Schon am Beginn der Heiligen Schrift heißt es: Gottes Geist ruhte über den Wassern.  Dass Leben immer mit Ihm in Beziehung steht, ist uns leider zu wenig bewusst,

Das Lied dieses Monats findet sich mehrfach in unserem Gesangbuch. Es ist eine Übersetzung der Pfingstsequenz (GL 343), die von Stefan Langton um 1200 in Paris gedichtet ist. Neben dieser Dichtung sind in der Zeit des Hochmittelalters viele solche Dichtungen im Verlauf der Heiligen Messe eingefügt worden. Die meisten hat die Erneuerung der Liturgie im Konzil von Trient wieder entfernt, weil man den Texten der Heiligen Schrift den Vorzug geben wollte. Dass diese Pfingstsequenz überlebt hat, ist ein Segen; denn sie spricht in wunderbarer Weise vom Wirken des Heiligen Geistes, wie es wohl kaum inniger sein kann.

Auf den Originaltext folgt in Nr. 344 die deutsche Übersetzung in einer rhythmisierten Fassung. Warum man sich dazu entschlossen hat, ist mir nicht bekannt. Jahrzehntelang haben wir sie in den freien Rhythmen gemäß der lateinischen Fassung gesungen. Das kann man natürlich auch heute noch tun; die Tonfolge ist nämlich unverändert geblieben.

Unter Nr. 786 finden wir die Pfingstsequenz zum dritten Mal. Diese Fassung  ist  im Bistum Osnabrück entstanden und dort sehr bekannt.  Es handelt  sich dabei um ein fünfstrophiges Lied, bei dem immer die gleiche Melodie gesungen wird. Es steht in D-Dur und benutzt den Viervierteltakt. Die sieben Melodieteile gliedern sich in zwei Abschnitte.  Man sollte darauf achten, dass die drei ersten Text- und Melodieteile nicht auseinandergerissen werden. Der erste Abschnitt gipfelt in der Modulation in die Dominante: „Strahle Licht in diese Welt!“ Nach diesem musikalischen Höhepunkt entspannt sich die Melodie allmählich in dem vierteiligen Schlussabschnitt, dann kehrt sie zur Grundtonart zurück und wiederholt die sechste Textzeile.

Die  deutsche Textfassung  entstammt der Zusammenarbeit einer katholischen Dichterin (Marie Luise Thurmair) und eines reformierten Hymnologen (Markus Jenny). Sie bleibt der lateinischen Dichtung treu im Metrum, in der Strophenzahl und im Reim, vor allem aber in der Aussage fast jeder Zeile.

Strophe 1 beginnt mit der Bitte um den Heiligen Geist, der  Licht in die dunkle Welt bringt und unsere Herzen erleuchtet. Unverdient wird Er uns Armen geschenkt.

In Strophe 2  ist vom Heiligen Geist als Tröster die Rede.

Strophe 3 spricht vom „glückseligen Licht“, das wir zum wahren Leben  nötig haben. Ohne Ihn kann unser Leben nicht gelingen.

Die beiden letzten Strophen  zeigen in Beispielen die Wirkungen des Heiligen Geistes in uns und bitten darum, dass wir immer mit Ihm beschenkt sein mögen und so zur Freude des ewigen Lebens gelangen.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied Mai 2017: Ordinariumsgesänge

Seit mehr als fünf Jahren erscheint in unserer „KUNDE“ die Seite zum Monatslied. Dadurch haben wir hoffentlich viele Lieder kennen und schätzen gelernt: Gesänge zu den verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres; Gesänge, die an bestimmten Stellen des Gottesdienstes gesungen werden.

Heute soll über die so genannten Ordinariumsgesänge nachgedacht werden.
Die meisten Gesänge des „GOTTESLOB“ haben unterschiedliche Texte. Das Ordinarium sind die Texte, die immer gleich bleiben: also Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Diese Gebete geben der Feier der Heiligen Messe eine feste Struktur. Wenn sie deutsch oder lateinisch gesprochen werden, haben sie immer denselben Wortlaut. Das sollte eigentlich auch so sein, wenn sie gesungen werden.

Schon lange bevor die Volkssprachen im Gottesdienst ermöglicht wurden, kannten wir in Deutschland deutsche Texte, die an diesen Stellen gesungen wurden, während der Priester sie lateinisch betete. Meistens waren diese Gesänge sogenannte Paraphrasen (d.h. keine wörtlichen Übersetzungen, sondern freie Übertragungen der lateinischen Texte). Sie sind gut singbar, und werden deshalb von vielen geschätzt; oft werden sie auch weitgehend auswendig gesungen. Der Nachteil dieser Vertonungen ist aber, dass sie die Texte des Messbuches nur unzureichend wiedergeben.

Der Wunsch der Kirche, die authentischen Texte zu singen, wird damit nicht erfüllt. Im Fall des Sanctus (also des Heilig) ist das am wenigsten hinzunehmen, weil dieser Gesang ein Teil des Hochgebetes der Heiligen Messe ist, des Kerns der Gottesdienstfeier. Aber auch sonst sollten die Übersetzungen dem lateinischen Messbuch genau folgen. Das hat der heilige Papst Johannes Paul ausdrücklich angemahnt.

In Ländern, in denen es vor dem Konzil kaum volkssprachliche Gottesdienstgesänge gab (z.B. Italien, Frankreich), sind nach der Liturgiereform wörtliche Übersetzungen des Ordinariums geschaffen worden, die meist leicht und gut zu singen sind. Auch in Deutschland haben sich Komponisten ans Werk gemacht. Aber die Schöpfungen waren oft musikalisch schwierig, so dass das neue „Gotteslob“ manche Werke aus dem alten Gesangbuch nicht übernommen hat. Es sind stattdessen einige neue Gesänge eingeführt.

Manche davon aber gestehen der Gemeinde mitunter nur einen Kehrvers zu und vertrauen das übrige einer Vorsängergruppe an. Vielerorts geht das an den Möglichkeiten der Gemeinden vorbei. Dennoch sollten wir versuchen, die Angebote des Gesangbuches zu nutzen. Wenn unterschiedslos nur Strophenlieder gesungen werden, verliert der Gottesdienst leicht seine Struktur. Die gute Gestaltung des Gottesdienstes sollte uns immer wieder alle Mühen wert sein. Wir feiern ja nicht unseren Gottesdienst, sondern den Gottesdienst der ganzen Kirche, der schon etwas ahnen lassen muss von der ewigen himmlischen Liturgie, die vor dem Thron Gottes erklingt.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied März: Gotteslob Nr. 754 „Korn, das in die Erde fällt“

Das Lied für den Monat März stammt von John Macleod Campbell Crum (1872 -1958), einem anglikanischen Priester aus Canterbury. Er hat seine Texte vor allem geschrieben für Kinder, die an der Sonntagsschule teilnahmen. Darum bedient er sich auch einer schlichten Sprache. Das heutige Lied ist sicher gut für Kinder geeignet, ist dabei aber keineswegs primitiv; es führt vielmehr zu einer meditativen Gebetshaltung.

Es bedenkt das Wort Jesu aus dem Johannesevangelium (12, 24): „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“. Im Bild des Weizenkorns macht Jesus deutlich, dass Sein Sterben nicht Untergang ist, sondern fruchtbar wird in Seiner Auferstehung. Seine Auferstehung schenkt auch denen Leben, die an Ihn glauben. In der ersten Strophe werden das Sterb en des Weizenkorns und sein Keimen im Ackerboden einander gegenübergestellt: was man heute sieht, ist Sterben; aber für die Zukunft darf man das Leben erhoffen.

2 .Strophe: Die Welt begreift Gottes Liebe nicht: sie lässt Seinen Sohn sterben, so dass Er ins Grab gelegt wird; aber in diesem Sterben bringt Er Gottes Liebe auf einmalige Weise in die Welt – Seine Liebe ist unbesiegbar. Jesus entzieht sich nicht dem Hass der Menschen: Er steigt nicht herab vom Kreuz, gerade darin zeigt sich das Gesetz des Weizenkorns: aus dem Sterben erwächst Leben.

3. Strophe: Hier klingt das Gleichnis an, in dem Jesus von dem Samen spricht, der auf unterschiedlichen Boden fällt. Er macht deutlich, was der Boden für das Wachsen bedeutet. In unserem Lied aber fällt Gottes Samenkorn gerade nicht auf unfruchtbaren Ackerboden: unter Gestrüpp und Dornen unseres Herzens ist es gefangen und stirbt dennoch nicht ab, sondern trägt am dritten Tag Frucht – im Wunder der Auferstehung. Dieses größte Wunder Gottes wird nur verhalten angedeutet. Jede Strophe des Liedes endet mit den Worten: „Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“ Der Begriff „Liebe“ wird unterschiedlich verwendet, einmal ist die Liebe der Menschen gemeint, dann aber geht es um Gottes Liebe zu uns Menschen. Diese Unschärfe bewegt gerade dazu, tiefer über die Worte nachzusinnen. Der „grüne Halm“ steht gegen alles Vergehen, das die Welt bestimmt: es ist das Zeichen der Hoffnung, das uns von Gott gegeben ist.

Die Melodie des Liedes ist ursprünglich die eines französischen Weihnachtsliedes aus dem 15. Jahrhundert. Sie verwendet die dorische Tonleiter, die beim Grundton d keine Vorzeichen hat. Da hier als Grundton „e“ gewählt ist, sind die beiden Vorzeichen für „fis“ und „cis“ erfordert. Der Takt ist ruhiger „Vier-Viertel-Takt“. An einigen Stellen finden sich halbe Noten, die der Bedeutung des Textes entsprechen.

Eberhard Laufköter, Pfarrer

Monatslied Februar 2017

Gotteslob Nr. 380 „Von guten Mächten“

Fast jeder hat schon einmal das Lied gehört „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Es hat auch in unserem neuen Gotteslob Platz gefunden. Die Melodie aber, die unser Buch bietet, ist weniger bekannt. In diesem Monat wollen wir uns mit diesem Lied beschäftigen. Der Dichter ist Dietrich Bonhoeffer (1906 -1945), evangelischer Theologe und NS-Widerstandskämpfer.

Nach Studien der Theologie in Tübingen begab er sich ins Ausland, kehrte aber nach Deutschland zurück, als sich die Nationalsozialisten mehr und mehr ausbreiteten. Er wollte gegen diese gottlose Ideologie Widerstand leisten. Das führte zu mehrfachen Verhaftungen. Im Zusammenhang mit dem Attentat gegen Hitler am 20. Juli 1944 wurde Bonhoeffer in das Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin verlegt.

Von dort aus schrieb er am 19. XII. 1944 an seine junge Verlobte und fügte dem Brief „ein paar Verse“ an, „die mir in den letzten Abenden einfielen“ als „Weihnachtsgruß für Dich und die Eltern und Geschwister“. Bonhoeffer, der zu dieser Zeit mit seiner Hinrichtung rechnen musste, schreibt am Anfang des Briefes: 

„Es ist, als ob die Seele in der Einsamkeit Organe ausbildet, die wir im Alltag kaum kennen. So habe ich mich noch keinen Augenblick allein und verlassen gefühlt. Du und die Eltern, Ihr alle, die Freunde und Schüler im Feld, Ihr seid mir immer ganz gegenwärtig. Eure Gebete und guten Gedanken, Bibelworte, längst vergangene Gespräche, Musikstücke, Bücher bekommen Leben und Wirklichkeit wie nie zuvor. Es ist ein großes unsichtbares Reich, in dem man lebt und an dessen Realität man keinen Zweifel hat. Wenn es im alten Kinderlied von den Engeln heißt: ‚zweie, die mich decken, zweie, die mich wecken‘, so ist diese Bewahrung am Abend und am Morgen durch gute unsichtbare Mächte etwas, was wir Erwachsenen heute nicht weniger brauchen als die Kinder.“

Im Zusammenhang des Briefes wird deutlich, warum das Gedicht mit der Anredeform („ich…mit euch“) beginnt. Erst in der zweiten Strophe wandelt sich das Gedicht zum Gebet, in dem auch wir Platz finden können. Es blickt auf die Jahreswende und die ungewisse Zukunft und vertraut sich trotz aller Ungewissheit der Vorsehung Gottes an. Der Dichter weiß, dass Gott uns mit Seiner Liebe umgibt. Und so gipfelt das Lied in der letzten Strophe: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

Die Briefe Bonhoeffers waren nicht zur Veröffentlichung bestimmt, aber wohl schon zu Weihnachten schrieb die Verlobte Maria von Wedemeyer das Gedicht für die Eltern Bonhoeffer und den weiteren Familienkreis ab. Anders als bei anderen Texten hat Bonhoeffer dem Gedicht Strophenform gegeben. Das Versmaß passte zu keiner damals gebräuchlichen Kirchenliedmelodie. Der persönliche Anfang mag zunächst befremdlich wirken, und die früheste Vertonung von Otto Abel 1959 bezog sich nur auf die letzte Strophe. 

Das Lied hat sich dennoch durchgesetzt, weil die individuelle, unwiederholbare Erfahrung von Qual und Trost, die Bonhoeffer macht, ins Bekenntnis mündet, das allen in der Gemeinde guttut. Der Text wurde inzwischen mehr als siebzigmal vertont. Das Evangelische Gesangbuch bietet die Komposition von Otto Abel. Die Landeskirchen von Baden und Württemberg zählen das Lied zu den 33 „Kernliedern“ im Evangelischen Gesangbuch.  

Unser Gotteslob bietet die Melodie von Kurt Grahl (1976). In unserem Diözesananhang ist die populäre Melodie von Siegfried Fietz zu finden, die von vielen mit Begeisterung gesungen wird. Man darf fragen, ob diese tänzerische Vertonung dem Text gerecht wird. Ein Einwand gegen diese Vertonung ist auch, dass sie die „Bonhoeffersche Zielaussage als Kehrvers verwendet und damit die theologisch-poetische Dynamik störe“. (Jürgen Henkys)

Gotteslob Nr. 254: Du Kind, zu dieser heilgen Zeit…

Zu keiner Zeit des Jahres sind die Menschen zum Singen so aufgelegt wie zur Advents- und Weihnachtszeit. Und da müssen im Gottesdienst bestimmte Lieder unbedingt vorkommen. Haben neue Lieder hier überhaupt eine Chance?

Das Monatslied für Dezember ist ein Lied, zu dem wir nicht sofort einen Zugang finden. Textlich und melodisch entspricht es nicht den landläufigen Vorstellungen eines Weihnachtsliedes. Der Dichter Jochen Klepper, der zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland lebte, hatte es schwer, weil er mit einer Jüdin verheiratet war. Diese seine Lebenssituation merkt man dem Lied an. Aber gerade dadurch macht es deutlich, dass man Weihnachten auch feiern kann in einer Welt, in der vieles nicht so ist, wie man es sich wünscht. In der letzten Strophe des Liedes heißt es, dass erst in der jenseitigen Welt uns das Herz ohne Bitterkeit zum Gesang weit wird. Die ersten drei Strophen zeigen, dass trotz des Kommens Gottes diese Welt immer noch im Argen liegt.

Die erste Strophe blickt auf den Menschen, der diese heilige Weihnachtszeit begeht. Gott kommt zu uns, die wir unsere Schuld auf dieses Kind geladen haben. In den Darstellungen der Geburt des Erlösers sehen wir oft einen verfallenen Stall (ein Bild für die verfallene Königsherrschaft Davids), und manchmal hat der Künstler ein kleines Kreuz in das Bild hineingemalt, das man erst bei genauerer Betrachtung sieht.

Die zweite Strophe lenkt den Blick auf Jesus. Wir feiern in Freude das Fest Seiner Geburt im armen Stall von Bethlehem. Die Armseligkeit des Anfangs wird sich vollenden bei Seinem Tod am Kreuz.

Noch deutlicher wird das Dunkle des Todesschicksals Jesu in der dritten Strophe bedacht: „vor Deiner Krippe gähnt das Grab“.
4. Strophe: All das Finstere der Welt, das uns manchmal vor Fragen stellt, die wir nicht beantworten können, wird erst überwunden sein, wenn wir mit Jesus zum ewigen Leben auferstehen dürfen. Dann erst werden wir ohne alle Bedrückung singen können. Die ersten drei Strophen schließen jeweils mit dem Ruf „Kyrieeleison“ und erbitten damit Gottes erbarmende Zuwendung. Die letzte Strophe endet mit „Hosanna“ und möchte damit unseren jubelnden Dank ausdrücken.

Der Stimmung des Liedes entspricht auch die Melodie. Von den fünfundzwanzig Weihnachtsliedern unseres Gesangbuches sind nur vier in Moll-Tonarten komponiert. Dieses Lied gehört dazu. Die anderen drei drücken eine besondere Innigkeit aus. In diesem vierten Lied zeigt sich eine bedrückte Stimmung. Damit wird deutlich, dass Weihnachtslieder nicht nur in froher Stimmung den Jubelgesang der Engel aufgreifen sollen; Weihnachten dürfen auch diejenigen feiern, denen augenblicklich nicht nach Jubel zumute ist. Jesus wird ja in eine unheilvolle Welt hineingeboren, die durch Ihn zum Heil geführt wird.

Schon am zweiten Weihnachtstag gedenken wir des Erzmartyrers Stephanus, der sein Blut als Zeuge des Glaubens für Jesus hingegeben hat. – Am 28. Dezember feiert die Kirche das Fest der unschuldigen Kinder, die in Bethlehem gestorben sind und dem Erlöser das Überleben ermöglicht haben, damit Seine Erlösungstat am Kreuz geschehen konnte. Mindestens an diesen Tagen eignet sich das Monatslied.

Damit das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi nicht zu einer Idylle verkommt, ist es gut, dieses zunächst sperrige Lied auch zu anderen Gelegenheiten zu singen.

Eberhard Laufköter

Gotteslob Nr. 336 „Jesus lebt, mit Ihm auch ich“

Der Monat November wird von den meisten Menschen nicht geschätzt. Die Tage werden immer kürzer, da kommt mehr als sonst der Gedanke an die Vergänglichkeit in uns hoch. So denken wir in diesem Monat besonders an unsere Verstorbenen. Aber der erste Tag des November –das Fest Allerheiligen – macht deutlich, dass wir trotz der Vergänglichkeit für die Zukunft Hoffnung haben. Gott ruft uns durch den Tod hindurch zu einem ewigen Leben in Seiner Nähe. Das dürfen wir glauben, weil Jesus Seinen Tod überwunden hat durch Seine Auferstehung. Und Er versichert uns: „Wer an mich glaubt, wird leben in Ewigkeit.“ Weil unser Tod vom Leben unseres Gottes Jesus Christus umfangen ist, wollen wir als Monatslied ein Osterlied bedenken: „Jesus lebt, mit Ihm auch ich“.  Dieses Lied stand schon in unserem bisherigen Gesangbuch (831). Es findet sich nun im Hauptteil, allerdings mit einer anderen Melodie. Warum hat man nicht die Melodie gewählt, die das Evangelische Gesangbuch bietet? Da das Lied bei unseren Glaubensbrüdern sehr bekannt zu sein scheint, könnte man es leichter bei Beerdigungen singen, wo häufig Menschen unterschiedlicher Konfessionen zusammentreffen.

Das Lied „Jesus lebt“ entfaltet die christliche Osterbotschaft in vier Strophen. Jede Strophe endet mit dem gleichen Vers „dies ist meine Zuversicht“.                                                                                      Die erste Strophe spricht davon, dass Jesus auferstanden ist und wir Glaubenden aus der Hoffnung leben dürfen, dass auch wir auferweckt werden.

Strophe 2 verkündet, dass Jesus der Herr der Welt ist. Wir dürfen teilhaben an der Herrschaft Christi.

Strophe 3: Welche Schwierigkeiten uns in dieser Welt auch begegnen, wir dürfen sicher sein, dass Gott in seiner  Treue uns nicht verlässt.

Strophe 4: Der Tod, dem wir nicht entrinnen können, ist nicht die alles bestimmende Macht. Der auferstandene Jesus ist der, dem wir unser Herz schenken. ER gibt uns Trost in der Hoffnung auf das ewige Leben.

Der Dichter des Liedes ist Christian Fürchtegott Gellert (1715 – 1769), der einer Pfarrersfamilie aus dem sächsischen Erzgebirge entstammte. Er studierte Theologie; aber wegen schwacher Gesundheit wurde er nicht Pfarrer, sondern hielt als Professor in Leipzig Vorlesungen über Philosophie, Dichtkunst, Beredsamkeit und Moral. Johann Wolfgang von Goethe schreibt über ihn: „Die Verehrung und Liebe, die Gellert von allen jungen Leuten genoss, war außerordentlich.“

Die Liedfassung des jetzigen Gesangbuches stammt von Albert Höfer (1802 – 1857), einem Priester aus dem Bistum Augsburg. An anderer Stelle unseres „Gotteslob“ tritt er auch als Textdichter auf (GL 802: „Herr der Könige der Erde“). Die Melodie entspricht gut dem Inhalt: Die  Worte „lebt“ und „Tod“ werden durch einen Quartsprung von den Vorhergehenden abgehoben. Und der höchste Ton der Melodie kommt nur einmal vor im Wort „Zuversicht“. An einigen Stellen gibt es Achtelnoten; dreimal kommt die punktierte Viertelnote vor. Das verleiht dem Lied einen großen Schwung, erfordert aber am Anfang vom Sänger besondere Aufmerksamkeit.

Eberhard Laufköter, Pfarrer  

Gotteslob Nr. 103 „Dieser Tag ist Christus eigen“

Im Gesangbuch Morgen- und Abendlieder zu finden, ist selbstverständlich; ein Lied, das besonders für die Feier des Sonntags angeboten wird, ist neu. Wir finden es unter Nummer 103. Es beginnt mit dem Satz „Dieser Tag ist Christus eigen“. Für viele Menschen heute sind die Tage alle gleich, sie werden nur noch abgezählt.

Für Christen und Juden gibt es einen Unterschied zwischen den vielen Tagen und dem einen Ruhetag. Schon im Schöpfungshymnus am Anfang der Bibel wird zwischen den (Werk)tagen und dem Sabbat unterschieden, dem Tag, an dem Gott ruht von dem Werk, das Er geschaffen hat. In den „Zehn Geboten“ werden die Menschen aufgefordert, diesen Tag in besonderer Weise Gott zu weihen.

Nachdem sich das Christentum vom Judentum getrennt hatte, haben die Jünger Jesu weiterhin diesen Tag der Ruhe beibehalten, ihn aber auf den Tag verlegt, der geheiligt ist durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Dieser Tag ist weit mehr als ein Innehalten im Arbeitsrhythmus; er ist Bekenntnis zu der neuen Schöpfung, die mit der Auferstehung Christi begonnen hat. Durch die Feier des Sonntags drücken wir unsere Hoffnung auf das Neue aus, das Gott der Welt schenken will.

Der Sonntag ist mehr als Wochenende, er ist Beginn des Neuen, das von Gott kommt. In der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils heißt es: „In jeder Woche begeht (die Kirche) an dem Tag, den sie Herrentag genannt hat, das Gedächtnis der Auferstehung des Herrn“, und dann heißt es weiter: „und einmal im Jahr feiert sie diese Auferstehung zugleich mit dem seligen Leiden des Herrn an Ostern, ihrem höchsten Fest.“ Von Anfang an haben die Christen am Sonntag das Geheimnis von Ostern gefeiert, noch bevor die jährliche Osterfeier begangen wurde.

Unser Monatslied sagt (Strophe 1), dass wir am Sonntag das erste Morgenlicht feiern. Das meint nicht das irdische Licht, sondern den Anbruch des neuen Lebens. Durch die Auferstehung Jesu Christi ist dieses Licht in die Todesnacht unserer Welt eingedrungen. Strophe 2: Wir feiern das Sterben Jesu und Seine Auferstehung nicht als ein Ereignis der Vergangenheit; Er lebt weiter in unserer Welt und wird unsere Zeit erneuern. Wenn der Verfasser sagt, dass „Er menschlich mit uns geht“, denkt er vermutlich an das Evangelium der Emmausjünger. Sie begegnen Jesus auf dem Weg, ohne dass sie Ihn in dem Fremden erkennen, der mit ihnen unterwegs ist. Erst beim gemeinsamen Mahl geht ihnen auf, dass Er es war, der mit ihnen ging.

In der 3.Strophe bitten wir unseren Herrn, dass viele Menschen das Geheimnis Seiner Gegenwart spüren mögen, sie mögen erfahren, dass all das Schwere des Lebens in der ewigen Sabbatfeier Gottes überwunden wird. Der Dichter unseres Liedes ist Peter Gerloff, ein Priester unserer Diözese. Er hat eine große Anzahl von geistlichen Texten geschrieben, vor allem zu Festen von Heiligen. Seine Texte lassen sich auf bekannte Melodien singen.

Für unser Lied ist die Melodie des Grüssauer Wallfahrtsliedes gewählt („Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“ GL 901).

Monatslied Juni : Gotteslob Nr. 371 „Herz Jesu, Gottes Opferbrand“

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit möchte uns daran erinnern, dass es in unserem Glauben nicht zuerst um Welterklärung geht. Es zeigt uns, dass Gott ein Herz für uns hat. In der Welt geht es oft um Berechnung; aber das geht am wahren Menschsein vorbei. Wir sehnen uns danach, angenommen zu sein. Der Philosoph Martin Heidegger spricht davon, dass der Mensch „geworfen sei in das Sein“. Als Christen dürfen wir etwas Anderes bekennen: wir sind von Gott geliebt. Diese Wahrheit drücken wir aus, wenn wir sagen: „Gott hat ein Herz für uns.“

Seit dem hohen Mittelalter wird das Herz des Gottessohnes besonders verehrt, und heute ist der Monat Juni dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Darum haben wir das Lied „Herz Jesu, Gottes Opferbrand“ für diesen Monat gewählt.

Das Lied ist entstanden in der Zeit des Kampfes gegen die kirchenfeindliche Ideologie des Nationalsozialismus. Damals fanden die Menschen im Herzen Jesu Zuflucht in Nacht und Schuld, in Finsternis und Leid. Sie erfuhren Trost und Hilfe und wurden darin bestärkt, nicht dem Hass zu verfallen und die Liebe nicht erkalten zu lassen. Das Lied hat ihnen geholfen, durchzuhalten in der Zeit der Diktatur.

Die eingängige Melodie schreitet ruhig dahin und schenkt in aller Bedrohung das Gefühl der Geborgenheit, so verhilft das Lied den Singenden wieder zum Durchatmen. Wir können das Lied singen nicht nur am Herz-Jesu-Fest und an den Herz-Jesu-Freitagen; es eignet sich auch als Kommuniongesang im Lauf des Jahres und an Fronleichnam.

Das Lied stammt von Franz Johannes Weinrich, einem hochbegabten Dichter aus neuerer Zeit. Ihm verdanken wir auch eine wunderbare Übertragung der Psalmen. Er hat sich zu dem Lied „Herz Jesu, Gottes Opferbrand“ anregen lassen durch Texte aus der Heiligen Schrift – so die Geschichten von der Kreuzigung unseres Herrn und durch das Bild vom Brandopfer, das Gott im Tempel dargebracht wurde.

Andere Formulierungen stammen aus Präfationen der Heiligen Messe und der mittelalterlichen Herz-Jesu- Frömmigkeit, sowie aus der Herz-Jesu-Litanei, in der es heißt: „Bilde unser Herz nach Deinem Herzen!“ Es lohnt sich, das Lied mit seinen tiefen Bildern zu meditieren. War das Lied bisher nur in einigen Diözesananhängen zu finden, so ist es heute aufgenommen in den Stammteil. Das ist wahrlich eine gute Entscheidung. Die Melodie des Liedes stammt von Adolf Lohmann, der ein Zeitgenosse Franz Johannes Weinrichs war und dem wir noch weitere Gesänge verdanken.

Eberhard Laufköter, Pfarrer