Monatslied November 2017: Das Glaubensbekenntnis

Der dritte Ordinariumsgesang der Heiligen Messe ist der längste: das Glaubensbekenntnis (Credo). Es folgt auf die Verkündigung der Lesungen, des Evangeliums und die Predigt. Mit ihm beantworten wir, was Gott uns in seinem Wort geschenkt hat. Was wir gehört haben, sind nicht nur menschliche Worte, sondern Gottes Wort.

Seit ungefähr tausend Jahren gehört das Credo in die Heilige Messe. Als Kaiser Karl der Große (+ 814) das päpstliche Messbuch für sein ganzes Reich übernahm, fand es sich noch nicht darin. Zweihundert Jahre später bei seiner Kaiserkrönung in Rom (1022) verwunderte sich Heinrichs II., dass das Credo nicht gesungen wurde, wie er es in seiner Heimat gewohnt war. Er erhielt zur Antwort, das Credo müsse nur außerhalb Roms gesprochen werden.

Damit bekennen sich die anderen Kirchen zur Einheit des Glaubens, der von Petrus (und den übrigen Aposteln) weitergegeben wurde. Heute ist das Credo an allen Sonntagen und Hochfesten vorgesehen. Wir zeigen damit, dass wir zur Gemeinschaft der Kirche gehören, die an allen Orten und zu allen Zeiten den gleichen Glauben verkündet. Es gibt zwei Formen des Credo: das große Glaubensbekenntnis oder Nicäno-Konstantinopolitanum und das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Das erste wurde in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Irrlehren auf den Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts nach hartem Ringen formuliert.Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist ebenfalls in den ersten Jahrhunderten entstanden und wird legendarisch den zwölf Aposteln zugeschrieben. Wann es genau entstanden ist, lässt sich nicht erkennen. In beiden Texten bekennen wir den Glauben an die drei göttlichen Personen, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, dann an die Kirche, die Sündenvergebung, die Auferstehung und das ewige Leben. Das große Glaubensbekenntnis unterscheidet sich vom Apostolicum darin, dass es ausführlicher und bildhafter ist.

Sogenannte Credo-Lieder, die es in deutscher Tradition gibt, können sich mit den offiziellen Texten nicht messen, sie sollten besser der Vergangenheit angehören, da sie nicht die Fülle des Glaubensbekenntnisses bieten. Das Credo ist ursprünglich nur als Sprechgesang komponiert. Seit die Mehrstimmigkeit erfunden wurde, haben die Komponisten den Text in unterschiedlicher Weise musikalisch ausgeschmückt.

Unser Gotteslob bietet für das Große Glaubensbekenntnis nur zwei Melodien an (eine lateinische Choralversion – Nr. 122, und eine deutsche Fassung – Nr. 180, die den Text nur dem Vorsänger überlässt und der Gemeinde nur einen Kehrvers zuweist). Das Apostolische Glaubensbekenntnis findet sich in drei Fassungen (Nr. 177 – Nr. 179). Nur die letzte Version überlässt der Gemeinde auch selbständige Sätze, während die beiden anderen ihr nur Kehrverse zubilligt.

Mögen wir immer neu erkennen, welch großes Geschenk der Glaube ist, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen oder singen.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied September 2017 Gotteslob Nr. 901 „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“

Drei Marienfeste feiert die Kirche im Monat September: am 8. das Fest der Geburt Marias, am 12. das Fest Mariä Namen und am 15. das Gedächtnis der Schmerzen Mariens; und dann folgt der Oktober, den wir besonders als Rosenkranzmonat begehen. Da liegt es nahe, als Monatslied ein Marienlied zu wählen. Darum befassen wir uns in diesen Monat mit dem Lied „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“, das uns die Vertriebenen  aus den deutschen Ostgebieten geschenkt haben. Es ist inzwischen auch vielen ans Herz gewachsen, die nicht von dort stammen.  Im schlesischen  Benediktinerkloster Grüssau ist es 1935 entstanden. Damals,  in den dunklen Jahren des Nationalsozialismus,  ist die Wallfahrt zum Gnadenbild der Mutter Gottes neu belebt worden. Das Bild soll um 1320 soll aus Rimini nach Schlesien gekommen sein. Es wurde 1937 restauriert und von entstellenden Übermalungen befreit. Das Gnadenbild zeigt die „Immerwährende Hilfe“ (eine besondere Darstellung der Muttergottes mit dem Kind).

Den Text des Liedes verfasste Georg Thurmair zum Bekenntnistag der Jugend; die Melodie wurde unter Leitung von Pater Gilbert König, OSB entwickelt.  Als die Mönche aus der schlesischen Heimat vertriebenen wurden, fanden sie in Wimpfen am Neckar eine neue Heimat. Nach dort nahmen sie auch das Lied mit. Es verbreitete sich an vielen Orten in Sammlungen ostdeutscher Lieder. In unserem Gesangbuch „Canta bona“ von 1969 findet es sich mit sieben Strophen (die jetzigen Strophen 6 und 7 sind nicht abgedruckt). Im Blick auf das Grüssauer Gnadenbild vereint unser Monatslied meditative Elemente der Marienfrömmigkeit des Rosenkranzes und der Lauretanischen Litanei (GL 566) und variiert sie in verschiedenen Bildern. An einigen Stellen wird auch der düstere Zeithintergrund sichtbar. Die Grüssauer Benediktiner legten Wert auf klare theologische Aussagen. Ziel dieser Marienfrömmigkeit ist die Vollendung des Menschen in Gott. Davon sprechen besonders die Strophen 7 bis 9.

Die vielen halben Noten, die Ligaturen (Schleifen)  und der Dreivierteltakt lassen die Melodie weich schwingen; ihr großer Spannungsbogen passt sich unserem Atemrhythmus an. Auch wenn er weit ausgreift, kehrt die Melodie zum Ende der Strophe entspannt zum Ausgangspunkt zurück. Der melodische Höhepunkt in der zweiten Hälfte des Liedes deckt sich mit der Sinnspitze des Inhalts. Von den Tonschritten her bereitet das Lied keine Schwierigkeiten.

Man wird aus den vielen Strophen jeweils nur einige auswählen, dabei sollte man nicht die Strophen 8 und 9 vergessen, die die Bitte aussprechen, dass wir zu unserem ewigen Heil gelangen.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied August – Gotteslob Nr.523 „O Maria, sei gegrüßt“

Auf der Höhe des Sommers feiern wir das Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel (15. August). Wir feiern, was wir auch für uns erhoffen: dass wir ewig an Gottes Herrlichkeit teilhaben dürfen.

Weil Maria ganz ihrer Berufung entsprochen hat, ist sie nach ihrem Tod vollendet, ganz mit Gott vereint. Schon bei der Verkündigung des Engels an Maria heißt es: „Du bist voll der Gnade.“

In „O Maria, sei gegrüßt“ ist uns der Text des „Gegrüßest seist Du, Maria“ als Lied geschenkt. Der Grundtext ist fast wörtlich beibehalten und nur durch leichte Zusätze und Varianten der gereimten Strophenform angepasst.

Der Text des Liedes ist 1656 vom Würzburger Bischof Johann Philipp von Schönborn herausgegeben. Das ursprünglich fünfstrophige Lied wurde für das Gotteslob 1971 bearbeitet und ist so in die Neuausgabe übernommen worden.   Die Melodie ist schon 1467 in Böhmen bezeugt und von Michael Weiße in das Gesangbuch der Böhmischen Brüder aufgenommen. Die erste Melodiehälfte ist mit der Pfingstsequenz (343/344) verwandt; sie schreitet hier von Ton zu Ton voran. Die zweite Hälfte zeichnet sich durch größere Sprünge aus. Mit dem Quartsprung „sei gegrüßt (du höchste Zier)“ führt sie auf den melodischen Höhepunkt.                                                                                                                                                   Das Lied ist eine gute Möglichkeit, das „Ave Maria“ singend zu beten.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied Juni 2017- Gotteslob 786: Komm herab, o Heil‘ger Geist

Gotteslob 786: Komm herab, o Heil‘ger Geist

Wenn auch das Pfingstfest schon hinter uns liegt, wollen wir uns dennoch mit einem Lied zum Heilgen Geist befassen. Der Heilige Geist hat immer Bedeutung für unser Leben. Ohne Ihn können wir nicht glauben und lieben; ohne Ihn ist christliches Leben nicht möglich; mehr noch:  die ganze Welt ist von Ihm erfüllt. Schon am Beginn der Heiligen Schrift heißt es: Gottes Geist ruhte über den Wassern.  Dass Leben immer mit Ihm in Beziehung steht, ist uns leider zu wenig bewusst,

Das Lied dieses Monats findet sich mehrfach in unserem Gesangbuch. Es ist eine Übersetzung der Pfingstsequenz (GL 343), die von Stefan Langton um 1200 in Paris gedichtet ist. Neben dieser Dichtung sind in der Zeit des Hochmittelalters viele solche Dichtungen im Verlauf der Heiligen Messe eingefügt worden. Die meisten hat die Erneuerung der Liturgie im Konzil von Trient wieder entfernt, weil man den Texten der Heiligen Schrift den Vorzug geben wollte. Dass diese Pfingstsequenz überlebt hat, ist ein Segen; denn sie spricht in wunderbarer Weise vom Wirken des Heiligen Geistes, wie es wohl kaum inniger sein kann.

Auf den Originaltext folgt in Nr. 344 die deutsche Übersetzung in einer rhythmisierten Fassung. Warum man sich dazu entschlossen hat, ist mir nicht bekannt. Jahrzehntelang haben wir sie in den freien Rhythmen gemäß der lateinischen Fassung gesungen. Das kann man natürlich auch heute noch tun; die Tonfolge ist nämlich unverändert geblieben.

Unter Nr. 786 finden wir die Pfingstsequenz zum dritten Mal. Diese Fassung  ist  im Bistum Osnabrück entstanden und dort sehr bekannt.  Es handelt  sich dabei um ein fünfstrophiges Lied, bei dem immer die gleiche Melodie gesungen wird. Es steht in D-Dur und benutzt den Viervierteltakt. Die sieben Melodieteile gliedern sich in zwei Abschnitte.  Man sollte darauf achten, dass die drei ersten Text- und Melodieteile nicht auseinandergerissen werden. Der erste Abschnitt gipfelt in der Modulation in die Dominante: „Strahle Licht in diese Welt!“ Nach diesem musikalischen Höhepunkt entspannt sich die Melodie allmählich in dem vierteiligen Schlussabschnitt, dann kehrt sie zur Grundtonart zurück und wiederholt die sechste Textzeile.

Die  deutsche Textfassung  entstammt der Zusammenarbeit einer katholischen Dichterin (Marie Luise Thurmair) und eines reformierten Hymnologen (Markus Jenny). Sie bleibt der lateinischen Dichtung treu im Metrum, in der Strophenzahl und im Reim, vor allem aber in der Aussage fast jeder Zeile.

Strophe 1 beginnt mit der Bitte um den Heiligen Geist, der  Licht in die dunkle Welt bringt und unsere Herzen erleuchtet. Unverdient wird Er uns Armen geschenkt.

In Strophe 2  ist vom Heiligen Geist als Tröster die Rede.

Strophe 3 spricht vom „glückseligen Licht“, das wir zum wahren Leben  nötig haben. Ohne Ihn kann unser Leben nicht gelingen.

Die beiden letzten Strophen  zeigen in Beispielen die Wirkungen des Heiligen Geistes in uns und bitten darum, dass wir immer mit Ihm beschenkt sein mögen und so zur Freude des ewigen Lebens gelangen.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied Mai 2017: Ordinariumsgesänge

Seit mehr als fünf Jahren erscheint in unserer „KUNDE“ die Seite zum Monatslied. Dadurch haben wir hoffentlich viele Lieder kennen und schätzen gelernt: Gesänge zu den verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres; Gesänge, die an bestimmten Stellen des Gottesdienstes gesungen werden.

Heute soll über die so genannten Ordinariumsgesänge nachgedacht werden.
Die meisten Gesänge des „GOTTESLOB“ haben unterschiedliche Texte. Das Ordinarium sind die Texte, die immer gleich bleiben: also Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Diese Gebete geben der Feier der Heiligen Messe eine feste Struktur. Wenn sie deutsch oder lateinisch gesprochen werden, haben sie immer denselben Wortlaut. Das sollte eigentlich auch so sein, wenn sie gesungen werden.

Schon lange bevor die Volkssprachen im Gottesdienst ermöglicht wurden, kannten wir in Deutschland deutsche Texte, die an diesen Stellen gesungen wurden, während der Priester sie lateinisch betete. Meistens waren diese Gesänge sogenannte Paraphrasen (d.h. keine wörtlichen Übersetzungen, sondern freie Übertragungen der lateinischen Texte). Sie sind gut singbar, und werden deshalb von vielen geschätzt; oft werden sie auch weitgehend auswendig gesungen. Der Nachteil dieser Vertonungen ist aber, dass sie die Texte des Messbuches nur unzureichend wiedergeben.

Der Wunsch der Kirche, die authentischen Texte zu singen, wird damit nicht erfüllt. Im Fall des Sanctus (also des Heilig) ist das am wenigsten hinzunehmen, weil dieser Gesang ein Teil des Hochgebetes der Heiligen Messe ist, des Kerns der Gottesdienstfeier. Aber auch sonst sollten die Übersetzungen dem lateinischen Messbuch genau folgen. Das hat der heilige Papst Johannes Paul ausdrücklich angemahnt.

In Ländern, in denen es vor dem Konzil kaum volkssprachliche Gottesdienstgesänge gab (z.B. Italien, Frankreich), sind nach der Liturgiereform wörtliche Übersetzungen des Ordinariums geschaffen worden, die meist leicht und gut zu singen sind. Auch in Deutschland haben sich Komponisten ans Werk gemacht. Aber die Schöpfungen waren oft musikalisch schwierig, so dass das neue „Gotteslob“ manche Werke aus dem alten Gesangbuch nicht übernommen hat. Es sind stattdessen einige neue Gesänge eingeführt.

Manche davon aber gestehen der Gemeinde mitunter nur einen Kehrvers zu und vertrauen das übrige einer Vorsängergruppe an. Vielerorts geht das an den Möglichkeiten der Gemeinden vorbei. Dennoch sollten wir versuchen, die Angebote des Gesangbuches zu nutzen. Wenn unterschiedslos nur Strophenlieder gesungen werden, verliert der Gottesdienst leicht seine Struktur. Die gute Gestaltung des Gottesdienstes sollte uns immer wieder alle Mühen wert sein. Wir feiern ja nicht unseren Gottesdienst, sondern den Gottesdienst der ganzen Kirche, der schon etwas ahnen lassen muss von der ewigen himmlischen Liturgie, die vor dem Thron Gottes erklingt.

Pfarrer Eberhard Laufköter