Monatslied Februar 2018

Lamm GOTTES

Das Lamm Gottes ist das letzte Ordinariumsstück der Heiligen Messe. Es folgt dem Friedensgruß und bereitet unmittelbar auf den Empfang der Heiligen Kommunion vor.

In Bethanien, jenseits des Jordan, hatte Johannes der Täufer einer aus Priestern und Leviten aus Jerusalem bestehenden Abordnung Rede und Antwort zu stehen über seine Person und seine Ziele. Tags darauf begegnete ihm Jesus. Johannes wies auf den erwarteten Erlöser mit den Worten hin: Sehet das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. (Ecce Agnus Dei, ecce qui tollit peccatum mundi.) Der Seher von Patmos schaute Christus als das gleichsam geschlachtete Lamm. In der Geheimen Offenbarung ist achtundzwanzigmal  das Lamm Gottes Sinnbild und Bezeichnung für den geopferten und verherrlichten Christus. Wir sind durch das kostbare Blut Christi, gleichsam eines makellosen Lammes erlöst. Christus in der sakramentalen Darstellung seines Kreuzesopfers, in der eucharistischen Opferspeise, ist das Lamm Gottes.

Ende des 7. Jahrhunderts wurde als Begleitgesang zur Brechung der eucharis-tischen Gestalten das Agnus Dei eingeführt. Dieser Brauch ist wohl aus der Ost-kirche übernommen, welche diesen Begleitgesang schon seit dem  6. Jhd. kannte. Papst Sergius I., gestorben am 9. September 701, ein in Palermo in Sizilien geborener Syrer, bestimmte, dass als Begleitgesang zur Brotbrechung das Agnus Dei von Klerus und Volk gesungen werde.

Als im 9./10. Jahrhundert der Empfang der heiligen Kommunion zurückging, so dass die Brechung der heiligen Gestalten für die Kommunionspendung wegfiel, so hat sich doch der Gesang des Agnus Dei als Begleitgesang der Brechung der heiligen Hostie für die Kommunion des Zelebranten erhalten. Auch das von Papst Paul VI. herausgegebene Missale Romanum sieht das ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­Agnus Dei als Begleittext zur Brechung und Mischung der heiligen Gestalten vor.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied Dezember 2017 – HEILIG, HEILIG, HEILIG

In der römischen Kirche gehört der Gesang des „Sanctus“(Heilig) wohl gegen Ende des vierten Jahrhundert zur Feier der Messliturgie. Der Text setzt sich zusammen aus zwei Bibelversen: Jesaja 6,3 und Matthäus 21,9.

Bei der Berufungsvision zum Prophetenamt hörte Jesaja die Serafim wechselseitig sich zurufen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ Der Text der Liturgie bezeichnet den Gott der Heerscharen mit dem hebräischen Wort Sabaoth. Damit sind sämtliche geistigen Wesen gemeint. Bei der Geburt Christi sang die ganze Schar des himmlischen Heeres auf den Fluren von Bethlehem das Gloria. In einer Vision der Geheimen Offenbarung ist beim Sanctusruf der vier Lebewesen Gott als der Allmächtige bezeichnet.

Gegenüber der Fassung  der lateinischen Bibel bei Jesaja 6,3 ist im liturgischen Text das Wort „Himmel“ eingefügt, so dass der Satz in der Mehrzahl steht: Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit.“

Als Jesus kurz vor seinem Leiden in Jerusalem einzieht, rufen die Scharen, die ihn begrüßen: „Hosanna dem  Sohne Davids; Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn: Hosanna in der Höhe.

Honorius Augustodunensis, ein berühmter Liturgiker des 12. Jahrhunderts aus Canterbury erklärt das Sanctus so: „Die Engel und Erzengel loben die göttliche Majestät, die Herrschaften beten sie an, die Mächte und die Fürstlichen Gewalten bewundern sie erschauernd und zitternd. Die Himmel, nämlich die Throne und die himmlischen Kräfte, jubeln. Die Cherubim und die Serafim feiern sie in wonnevollem Chore. Diese Huldigungsopfer haben David und Salomo zum Vorbild genommen, als sie beim Lobopfer des Herrn zu den Hymnen des Volkes Orgeln und andere Instrumente erklingen ließen… Die Engel bringen ihren Lobgesang als heilige Gabe dar im Einklang mit dem Heiligen Geist. Wir singen dreimal das Wort Sanctus zum Lobpreis der allerheiligsten Dreifaltigkeit, aber nur einmal das Wort Dominus Deus ( Gott Herr) zur Anbetung des einen göttlichen Wesens. Mit der Darbringung des Lobgesangs der Engel wird vereint die Darbringung des Lobgesanges der gerechten Geister, die die Menschheit Christi anbeten. Wegen der Erlösung des Menschengeschlechtes wird gesungen  Hochgelobt sei er, der kommt im Namen des Herrn. Dieser Hymnus wird teils von Engeln, teils von Menschen gesungen, denn durch das Opfer Christi tritt das Menschengeschlecht mit den Engeln in Verbindung.“

Mit dem Sanctus begeben wir uns mitten hinein in das Zentrum der Heiligen Messe: in das Opfer das unser Herr Jesus Christus für uns und für das Heil der ganzen Welt darbringt.                                                                                                                            
Eberhard
Laufköter, Pfarrer

Monatslied November 2017: Das Glaubensbekenntnis

Der dritte Ordinariumsgesang der Heiligen Messe ist der längste: das Glaubensbekenntnis (Credo). Es folgt auf die Verkündigung der Lesungen, des Evangeliums und die Predigt. Mit ihm beantworten wir, was Gott uns in seinem Wort geschenkt hat. Was wir gehört haben, sind nicht nur menschliche Worte, sondern Gottes Wort.

Seit ungefähr tausend Jahren gehört das Credo in die Heilige Messe. Als Kaiser Karl der Große (+ 814) das päpstliche Messbuch für sein ganzes Reich übernahm, fand es sich noch nicht darin. Zweihundert Jahre später bei seiner Kaiserkrönung in Rom (1022) verwunderte sich Heinrichs II., dass das Credo nicht gesungen wurde, wie er es in seiner Heimat gewohnt war. Er erhielt zur Antwort, das Credo müsse nur außerhalb Roms gesprochen werden.

Damit bekennen sich die anderen Kirchen zur Einheit des Glaubens, der von Petrus (und den übrigen Aposteln) weitergegeben wurde. Heute ist das Credo an allen Sonntagen und Hochfesten vorgesehen. Wir zeigen damit, dass wir zur Gemeinschaft der Kirche gehören, die an allen Orten und zu allen Zeiten den gleichen Glauben verkündet. Es gibt zwei Formen des Credo: das große Glaubensbekenntnis oder Nicäno-Konstantinopolitanum und das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Das erste wurde in der Auseinandersetzung mit verschiedenen Irrlehren auf den Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts nach hartem Ringen formuliert.Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist ebenfalls in den ersten Jahrhunderten entstanden und wird legendarisch den zwölf Aposteln zugeschrieben. Wann es genau entstanden ist, lässt sich nicht erkennen. In beiden Texten bekennen wir den Glauben an die drei göttlichen Personen, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, dann an die Kirche, die Sündenvergebung, die Auferstehung und das ewige Leben. Das große Glaubensbekenntnis unterscheidet sich vom Apostolicum darin, dass es ausführlicher und bildhafter ist.

Sogenannte Credo-Lieder, die es in deutscher Tradition gibt, können sich mit den offiziellen Texten nicht messen, sie sollten besser der Vergangenheit angehören, da sie nicht die Fülle des Glaubensbekenntnisses bieten. Das Credo ist ursprünglich nur als Sprechgesang komponiert. Seit die Mehrstimmigkeit erfunden wurde, haben die Komponisten den Text in unterschiedlicher Weise musikalisch ausgeschmückt.

Unser Gotteslob bietet für das Große Glaubensbekenntnis nur zwei Melodien an (eine lateinische Choralversion – Nr. 122, und eine deutsche Fassung – Nr. 180, die den Text nur dem Vorsänger überlässt und der Gemeinde nur einen Kehrvers zuweist). Das Apostolische Glaubensbekenntnis findet sich in drei Fassungen (Nr. 177 – Nr. 179). Nur die letzte Version überlässt der Gemeinde auch selbständige Sätze, während die beiden anderen ihr nur Kehrverse zubilligt.

Mögen wir immer neu erkennen, welch großes Geschenk der Glaube ist, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen oder singen.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied September 2017 Gotteslob Nr. 901 „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“

Drei Marienfeste feiert die Kirche im Monat September: am 8. das Fest der Geburt Marias, am 12. das Fest Mariä Namen und am 15. das Gedächtnis der Schmerzen Mariens; und dann folgt der Oktober, den wir besonders als Rosenkranzmonat begehen. Da liegt es nahe, als Monatslied ein Marienlied zu wählen. Darum befassen wir uns in diesen Monat mit dem Lied „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“, das uns die Vertriebenen  aus den deutschen Ostgebieten geschenkt haben. Es ist inzwischen auch vielen ans Herz gewachsen, die nicht von dort stammen.  Im schlesischen  Benediktinerkloster Grüssau ist es 1935 entstanden. Damals,  in den dunklen Jahren des Nationalsozialismus,  ist die Wallfahrt zum Gnadenbild der Mutter Gottes neu belebt worden. Das Bild soll um 1320 soll aus Rimini nach Schlesien gekommen sein. Es wurde 1937 restauriert und von entstellenden Übermalungen befreit. Das Gnadenbild zeigt die „Immerwährende Hilfe“ (eine besondere Darstellung der Muttergottes mit dem Kind).

Den Text des Liedes verfasste Georg Thurmair zum Bekenntnistag der Jugend; die Melodie wurde unter Leitung von Pater Gilbert König, OSB entwickelt.  Als die Mönche aus der schlesischen Heimat vertriebenen wurden, fanden sie in Wimpfen am Neckar eine neue Heimat. Nach dort nahmen sie auch das Lied mit. Es verbreitete sich an vielen Orten in Sammlungen ostdeutscher Lieder. In unserem Gesangbuch „Canta bona“ von 1969 findet es sich mit sieben Strophen (die jetzigen Strophen 6 und 7 sind nicht abgedruckt). Im Blick auf das Grüssauer Gnadenbild vereint unser Monatslied meditative Elemente der Marienfrömmigkeit des Rosenkranzes und der Lauretanischen Litanei (GL 566) und variiert sie in verschiedenen Bildern. An einigen Stellen wird auch der düstere Zeithintergrund sichtbar. Die Grüssauer Benediktiner legten Wert auf klare theologische Aussagen. Ziel dieser Marienfrömmigkeit ist die Vollendung des Menschen in Gott. Davon sprechen besonders die Strophen 7 bis 9.

Die vielen halben Noten, die Ligaturen (Schleifen)  und der Dreivierteltakt lassen die Melodie weich schwingen; ihr großer Spannungsbogen passt sich unserem Atemrhythmus an. Auch wenn er weit ausgreift, kehrt die Melodie zum Ende der Strophe entspannt zum Ausgangspunkt zurück. Der melodische Höhepunkt in der zweiten Hälfte des Liedes deckt sich mit der Sinnspitze des Inhalts. Von den Tonschritten her bereitet das Lied keine Schwierigkeiten.

Man wird aus den vielen Strophen jeweils nur einige auswählen, dabei sollte man nicht die Strophen 8 und 9 vergessen, die die Bitte aussprechen, dass wir zu unserem ewigen Heil gelangen.

Pfarrer Eberhard Laufköter

Monatslied August – Gotteslob Nr.523 „O Maria, sei gegrüßt“

Auf der Höhe des Sommers feiern wir das Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel (15. August). Wir feiern, was wir auch für uns erhoffen: dass wir ewig an Gottes Herrlichkeit teilhaben dürfen.

Weil Maria ganz ihrer Berufung entsprochen hat, ist sie nach ihrem Tod vollendet, ganz mit Gott vereint. Schon bei der Verkündigung des Engels an Maria heißt es: „Du bist voll der Gnade.“

In „O Maria, sei gegrüßt“ ist uns der Text des „Gegrüßest seist Du, Maria“ als Lied geschenkt. Der Grundtext ist fast wörtlich beibehalten und nur durch leichte Zusätze und Varianten der gereimten Strophenform angepasst.

Der Text des Liedes ist 1656 vom Würzburger Bischof Johann Philipp von Schönborn herausgegeben. Das ursprünglich fünfstrophige Lied wurde für das Gotteslob 1971 bearbeitet und ist so in die Neuausgabe übernommen worden.   Die Melodie ist schon 1467 in Böhmen bezeugt und von Michael Weiße in das Gesangbuch der Böhmischen Brüder aufgenommen. Die erste Melodiehälfte ist mit der Pfingstsequenz (343/344) verwandt; sie schreitet hier von Ton zu Ton voran. Die zweite Hälfte zeichnet sich durch größere Sprünge aus. Mit dem Quartsprung „sei gegrüßt (du höchste Zier)“ führt sie auf den melodischen Höhepunkt.                                                                                                                                                   Das Lied ist eine gute Möglichkeit, das „Ave Maria“ singend zu beten.

Pfarrer Eberhard Laufköter