Monatslied September 2017 Gotteslob Nr. 901 „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“

Drei Marienfeste feiert die Kirche im Monat September: am 8. das Fest der Geburt Marias, am 12. das Fest Mariä Namen und am 15. das Gedächtnis der Schmerzen Mariens; und dann folgt der Oktober, den wir besonders als Rosenkranzmonat begehen. Da liegt es nahe, als Monatslied ein Marienlied zu wählen. Darum befassen wir uns in diesen Monat mit dem Lied „Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“, das uns die Vertriebenen  aus den deutschen Ostgebieten geschenkt haben. Es ist inzwischen auch vielen ans Herz gewachsen, die nicht von dort stammen.  Im schlesischen  Benediktinerkloster Grüssau ist es 1935 entstanden. Damals,  in den dunklen Jahren des Nationalsozialismus,  ist die Wallfahrt zum Gnadenbild der Mutter Gottes neu belebt worden. Das Bild soll um 1320 soll aus Rimini nach Schlesien gekommen sein. Es wurde 1937 restauriert und von entstellenden Übermalungen befreit. Das Gnadenbild zeigt die „Immerwährende Hilfe“ (eine besondere Darstellung der Muttergottes mit dem Kind).

Den Text des Liedes verfasste Georg Thurmair zum Bekenntnistag der Jugend; die Melodie wurde unter Leitung von Pater Gilbert König, OSB entwickelt.  Als die Mönche aus der schlesischen Heimat vertriebenen wurden, fanden sie in Wimpfen am Neckar eine neue Heimat. Nach dort nahmen sie auch das Lied mit. Es verbreitete sich an vielen Orten in Sammlungen ostdeutscher Lieder. In unserem Gesangbuch „Canta bona“ von 1969 findet es sich mit sieben Strophen (die jetzigen Strophen 6 und 7 sind nicht abgedruckt). Im Blick auf das Grüssauer Gnadenbild vereint unser Monatslied meditative Elemente der Marienfrömmigkeit des Rosenkranzes und der Lauretanischen Litanei (GL 566) und variiert sie in verschiedenen Bildern. An einigen Stellen wird auch der düstere Zeithintergrund sichtbar. Die Grüssauer Benediktiner legten Wert auf klare theologische Aussagen. Ziel dieser Marienfrömmigkeit ist die Vollendung des Menschen in Gott. Davon sprechen besonders die Strophen 7 bis 9.

Die vielen halben Noten, die Ligaturen (Schleifen)  und der Dreivierteltakt lassen die Melodie weich schwingen; ihr großer Spannungsbogen passt sich unserem Atemrhythmus an. Auch wenn er weit ausgreift, kehrt die Melodie zum Ende der Strophe entspannt zum Ausgangspunkt zurück. Der melodische Höhepunkt in der zweiten Hälfte des Liedes deckt sich mit der Sinnspitze des Inhalts. Von den Tonschritten her bereitet das Lied keine Schwierigkeiten.

Man wird aus den vielen Strophen jeweils nur einige auswählen, dabei sollte man nicht die Strophen 8 und 9 vergessen, die die Bitte aussprechen, dass wir zu unserem ewigen Heil gelangen.

Pfarrer Eberhard Laufköter