Monatslied Mai 2017: Ordinariumsgesänge

Seit mehr als fünf Jahren erscheint in unserer „KUNDE“ die Seite zum Monatslied. Dadurch haben wir hoffentlich viele Lieder kennen und schätzen gelernt: Gesänge zu den verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres; Gesänge, die an bestimmten Stellen des Gottesdienstes gesungen werden.

Heute soll über die so genannten Ordinariumsgesänge nachgedacht werden.
Die meisten Gesänge des „GOTTESLOB“ haben unterschiedliche Texte. Das Ordinarium sind die Texte, die immer gleich bleiben: also Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Diese Gebete geben der Feier der Heiligen Messe eine feste Struktur. Wenn sie deutsch oder lateinisch gesprochen werden, haben sie immer denselben Wortlaut. Das sollte eigentlich auch so sein, wenn sie gesungen werden.

Schon lange bevor die Volkssprachen im Gottesdienst ermöglicht wurden, kannten wir in Deutschland deutsche Texte, die an diesen Stellen gesungen wurden, während der Priester sie lateinisch betete. Meistens waren diese Gesänge sogenannte Paraphrasen (d.h. keine wörtlichen Übersetzungen, sondern freie Übertragungen der lateinischen Texte). Sie sind gut singbar, und werden deshalb von vielen geschätzt; oft werden sie auch weitgehend auswendig gesungen. Der Nachteil dieser Vertonungen ist aber, dass sie die Texte des Messbuches nur unzureichend wiedergeben.

Der Wunsch der Kirche, die authentischen Texte zu singen, wird damit nicht erfüllt. Im Fall des Sanctus (also des Heilig) ist das am wenigsten hinzunehmen, weil dieser Gesang ein Teil des Hochgebetes der Heiligen Messe ist, des Kerns der Gottesdienstfeier. Aber auch sonst sollten die Übersetzungen dem lateinischen Messbuch genau folgen. Das hat der heilige Papst Johannes Paul ausdrücklich angemahnt.

In Ländern, in denen es vor dem Konzil kaum volkssprachliche Gottesdienstgesänge gab (z.B. Italien, Frankreich), sind nach der Liturgiereform wörtliche Übersetzungen des Ordinariums geschaffen worden, die meist leicht und gut zu singen sind. Auch in Deutschland haben sich Komponisten ans Werk gemacht. Aber die Schöpfungen waren oft musikalisch schwierig, so dass das neue „Gotteslob“ manche Werke aus dem alten Gesangbuch nicht übernommen hat. Es sind stattdessen einige neue Gesänge eingeführt.

Manche davon aber gestehen der Gemeinde mitunter nur einen Kehrvers zu und vertrauen das übrige einer Vorsängergruppe an. Vielerorts geht das an den Möglichkeiten der Gemeinden vorbei. Dennoch sollten wir versuchen, die Angebote des Gesangbuches zu nutzen. Wenn unterschiedslos nur Strophenlieder gesungen werden, verliert der Gottesdienst leicht seine Struktur. Die gute Gestaltung des Gottesdienstes sollte uns immer wieder alle Mühen wert sein. Wir feiern ja nicht unseren Gottesdienst, sondern den Gottesdienst der ganzen Kirche, der schon etwas ahnen lassen muss von der ewigen himmlischen Liturgie, die vor dem Thron Gottes erklingt.

Pfarrer Eberhard Laufköter