Gotteslob Nr. 103 „Dieser Tag ist Christus eigen“

Im Gesangbuch Morgen- und Abendlieder zu finden, ist selbstverständlich; ein Lied, das besonders für die Feier des Sonntags angeboten wird, ist neu. Wir finden es unter Nummer 103. Es beginnt mit dem Satz „Dieser Tag ist Christus eigen“. Für viele Menschen heute sind die Tage alle gleich, sie werden nur noch abgezählt.

Für Christen und Juden gibt es einen Unterschied zwischen den vielen Tagen und dem einen Ruhetag. Schon im Schöpfungshymnus am Anfang der Bibel wird zwischen den (Werk)tagen und dem Sabbat unterschieden, dem Tag, an dem Gott ruht von dem Werk, das Er geschaffen hat. In den „Zehn Geboten“ werden die Menschen aufgefordert, diesen Tag in besonderer Weise Gott zu weihen.

Nachdem sich das Christentum vom Judentum getrennt hatte, haben die Jünger Jesu weiterhin diesen Tag der Ruhe beibehalten, ihn aber auf den Tag verlegt, der geheiligt ist durch die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Dieser Tag ist weit mehr als ein Innehalten im Arbeitsrhythmus; er ist Bekenntnis zu der neuen Schöpfung, die mit der Auferstehung Christi begonnen hat. Durch die Feier des Sonntags drücken wir unsere Hoffnung auf das Neue aus, das Gott der Welt schenken will.

Der Sonntag ist mehr als Wochenende, er ist Beginn des Neuen, das von Gott kommt. In der Liturgiekonstitution des II. Vatikanischen Konzils heißt es: „In jeder Woche begeht (die Kirche) an dem Tag, den sie Herrentag genannt hat, das Gedächtnis der Auferstehung des Herrn“, und dann heißt es weiter: „und einmal im Jahr feiert sie diese Auferstehung zugleich mit dem seligen Leiden des Herrn an Ostern, ihrem höchsten Fest.“ Von Anfang an haben die Christen am Sonntag das Geheimnis von Ostern gefeiert, noch bevor die jährliche Osterfeier begangen wurde.

Unser Monatslied sagt (Strophe 1), dass wir am Sonntag das erste Morgenlicht feiern. Das meint nicht das irdische Licht, sondern den Anbruch des neuen Lebens. Durch die Auferstehung Jesu Christi ist dieses Licht in die Todesnacht unserer Welt eingedrungen. Strophe 2: Wir feiern das Sterben Jesu und Seine Auferstehung nicht als ein Ereignis der Vergangenheit; Er lebt weiter in unserer Welt und wird unsere Zeit erneuern. Wenn der Verfasser sagt, dass „Er menschlich mit uns geht“, denkt er vermutlich an das Evangelium der Emmausjünger. Sie begegnen Jesus auf dem Weg, ohne dass sie Ihn in dem Fremden erkennen, der mit ihnen unterwegs ist. Erst beim gemeinsamen Mahl geht ihnen auf, dass Er es war, der mit ihnen ging.

In der 3.Strophe bitten wir unseren Herrn, dass viele Menschen das Geheimnis Seiner Gegenwart spüren mögen, sie mögen erfahren, dass all das Schwere des Lebens in der ewigen Sabbatfeier Gottes überwunden wird. Der Dichter unseres Liedes ist Peter Gerloff, ein Priester unserer Diözese. Er hat eine große Anzahl von geistlichen Texten geschrieben, vor allem zu Festen von Heiligen. Seine Texte lassen sich auf bekannte Melodien singen.

Für unser Lied ist die Melodie des Grüssauer Wallfahrtsliedes gewählt („Sei gegrüßt, du Gnadenreiche“ GL 901).