Monatslied Dezember 2014: „O komm, o komm, Immanuel“ (GL 730)

Unser Monatslied „O komm, o komm, Immanuel“ ist eine Übertragung des Adventsliedes „Veni, veni, Immanuel“, das sich in einem Gesangbuch von Johannes Heringsdorf findet, das er 1710 in Köln herausgegeben hat (Psalteriolum Cantionum Catholicarum). Es wurde durch die Schulen der Jesuiten weit verbreitet.

Der Text fußt auf den „O-Antiphonen“, die im 9. Jahrhundert im Frankenreich gedichtet wurden und in der Woche vor Weihnachten als Kehrverse zum Magnificat in der Vesper gesungen werden. In vielen Bildern aus den Texten der Propheten drücken sie die Hoffnung auf den kommenden Messias aus.

Die Textfassung unseres Monatsliedes stammt von Othmar Schulz. Er hat 1975 den lateinischen Text frei bearbeitet. Wenn man unser Lied „O komm, o komm, Immanuel“ mit dem Text „Herr, send herab uns Deinen Sohn“ (GL 222) vergleicht, kann man das sehen. Dort sind die Strophen viel enger an den lateinischen Wortlaut angelehnt.

Das Monatslied in dieser Adventszeit macht uns also gleich mit zwei Liedern unseres Gesangbuches bekannt. Beide Lieder sprechen die Hoffnung auf den Herrn aus, der als Messias kommen wird bzw. uns jetzt schon nahe ist (GL 222 sowie GL 730).

Das Wort „Veni“ (Komm) ist ein zentrales Wort der Adventszeit, die uns auf unsere endzeitliche Hoffnung verweist. Es ist das letzte Wort, das in der Heiligen Schrift steht. Der Seher von Patmos (der Verfasser der Apokalypse), dem Gottes Pläne mit der Welt offenbart werden, ruft aus: „Amen. Komm, Herr Jesus!“

Die Melodie, die das Gotteslob jetzt bietet, findet sich schon in einem Gesangbuch eines franziskanischen Nonnenklosters aus dem 15. Jahrhundert. Mit der Melodie, die bisher im Gesangbuch angegeben war, taten sich viele schwer. Die heutige wird den meisten vermutlich leichter erscheinen. – Wenn man darauf achtet, dass das Lied mit einer kleinen Terz (Mollterz) beginnt, sind eigentlich schon alle Schwierigkeiten gemeistert. Jeder Vers endet mit einer Schleife, die im 1., 4. und 5. Vers gleich lautet. Ebenso entsprechen sich der 2. und 6. Vers; lediglich der 3. Vers hat eine eigene Form.

Eberhard Laufköter, Pfarrer